Leserbrief
AfD weitab von der Realität

Zum Artikel „Verfahren für Ärzte beschleunigt“ vom 2. Februar

Nachdem ich inzwischen mehr als fünf Wochen mit einer langwierigen
Behandlung im Krankenhaus verbracht habe, kann ich aus eigener Erfahrung den Aussagen der Ärzteschaft nur voll und ganz zustimmen, was die Bedeutung und den Bedarf ausländischer Ärzte in unserem Gesundheitssystem wie auch in der Pflege betrifft: „Etwa ein Viertel der Ärzte und Ärztinnen hat ausländische Wurzeln. Ohne sie könnten wir die Versorgung unserer Kliniken in dieser Form nicht aufrechterhalten.“ 

Diese Feststellung gilt meines Erachtens mindestens genauso auch für die zehntausenden ausländischen Pflege- und Hilfskräfte in Kliniken und Pflegeheimen! Ohne diese engagierten, fleißigen und oft liebenswerten Menschen würde das tausendfache Räderwerk bei Tag und Nacht, das die Qualität unserer Systeme ausmacht, längst nicht mehr laufen. Liest und hört man dann die Parolen vom rechten Rand unserer Gesellschaft wie „Ausländer raus!“ und Ähnliches, dann mag das ja für kriminelle Ausländer und insbesondere die Banden- und Clankriminalität noch gelten, aber nicht für die restlichen circa 98 Prozent der Ausländer und Deutschen mit ausländischen Wurzeln. Das sehen immer mehr Menschen so.

Parolen von Rechtspopulisten tragen nicht zur Lösung unserer Probleme bei; im Gegenteil, sie schaden unserer Gesellschaft. Es braucht mehr Integration, mehr Verständnis, mehr Zusammenleben und mehr Akzeptanz auf allen Seiten. Zudem wird aktuell eines klar: Weder im Gesundheitswesen noch für die Probleme der Wirtschaft, des Handwerks, im Sozialbereich und so weiter haben AfD und Konsorten außer Worthülsen und Allgemeinplätzen Substanzielles zu bieten. Wenn die Funktionäre und Wähler der AfD wenigstens konsequent wären und eine Behandlung beziehungsweise Betreuung durch ausländische Ärzte, Fach- und Hilfskräfte ablehnen würden, dann würde sich das Thema AfD innerhalb weniger Jahre von selbst lösen.

Jürgen Lewak, Kirchheim