Leserbrief
Bürokratie statt Umweltschutz

Zum Artikel „Wir schneiden die Hecke aus Sicherheitsgründen“ vom 28. August

Der ganz normale Wahnsinn! Das gesamte Land ist notgedrungen mit Hitzeschutz und Beschattung konfrontiert. Die Themen sind Begrünungsflächen an Gebäuden und Schattenspendungen. Wasser? Das soll der Kleinbürger lieber sparen . . . Ganz Deutschland? Nein, nicht ganz Deutschland. Es gibt eine kleine Gemeinde am Fuße der Schwäbischen Alb, der geht das alles am „Bobbes“ vorbei. Hier wird Umweltzerstörung laut Dienstplan praktiziert. Zweimal jährlich wird geschnippelt und gesägt, weil es so „von oben“ angeordnet ist, leider zur falschen Jahreszeit. Was geht uns das Klima an? Dienstplan ist schließlich Dienstplan! Es wird ja auch im Winter bei 6 Grad schon Salz gestreut . . . Wir tragen gerne dazu bei, dass unser Klima möglichst schnell den bald nicht mehr vorhandenen Bach hinuntergeht.

Helfen wir doch noch tatkräftig dank Dienstplänen nach. Ach ja, und die Vögel haben überhaupt woanders zu brüten. Schließlich können sie ihre Nester ja auch dort bauen, wo gerade nicht geschnitten und gesägt wird. Rücksicht auf die Natur und die Brutzeiten scheint offenbar weniger wichtig zu sein als ein ordentlicher Dienstplan.

Natürlich ist aber auch nicht zu vergessen, dass eine freie Sicht für die Polizei sehr wichtig ist, um das letzte Drittel der Jugendlichen zu eliminieren. Da darf eine Hecke nicht im Weg stehen. Schließlich könnte ja ein Zweig die Sicht behindern oder die jungen Menschen erschlagen – und Ordnung muss schließlich sein. Dass eine Hecke dabei Schatten spendet, Lebensraum bietet und vielleicht auch für das Klima nicht ganz unwichtig ist, tritt da offenbar in den Hintergrund . . .

P.S. die meisten großen Zivilisationen sind an ihrer Bürokratie zugrunde gegangen. Welcher Beamte schafft sich schon selber ab?

Klaus Schneider, Kirchheim