Leserbrief
Erlittenes Leid anerkennen

Zum Leserbrief „Die Opfer waren nicht eingeladen“ vom 21. Mai

Als Stiftung Tragwerk und Adressatin des Leserbriefes ist es uns ein Anliegen, zu einigen benannten Punkten Stellung zu beziehen.

Bei unserem Jubiläumsfestakt am 8. Mai waren aktuelle und ehemalige Mitarbeitende und Kooperationspartnerinnen und -partner eingeladen. Leider war es uns darüber hinaus nicht möglich, aktuelle oder ehemalige Betreute einzuladen.

Die Stiftung Tragwerk hat über die „Unabhängige Kommission zur Anerkennung erlittenen Leids in Landeskirche und Diakonie“ Anerkennungsleistungen an die von sexueller Gewalt Betroffenen gezahlt und wird dies auch in Zukunft tun. Die Betroffenen wurden von uns aktiv auf diese Möglichkeit hingewiesen. Dass die geleisteten Geldzahlungen das erlebte Leid der Betroffenen niemals aufwiegen können, sehen wir ebenfalls.

Auch mit den Versorgungsämtern, die staatliche Entschädigungsleistungen für die Betroffenen prüfen, sind wir im direkten Austausch, und wir tun alles in unserer Macht Stehende, damit auch hier das erlittene Leid anerkannt und die gestellten Anträge zugunsten der Antragsteller beschieden werden.

Da uns die Aufarbeitung dessen, was geschehen ist, ein aufrichtiges Anliegen ist, haben wir beschlossen, eine wissenschaftliche Aufarbeitungsstudie zu beauftragen. Seit Anfang 2026 hat das Institut für Geschichte der Medizin in Stuttgart mit der Forschungsarbeit begonnen. Sowohl die Institution als auch der für die Studie verantwortliche Historiker Dr. Wenger sind in ihrer Arbeit völlig frei und niemandem außer der Wahrheit und wissenschaftlichen Standards verpflichtet.

Allen Betroffenen bieten wir in Gesprächsrunden mit ehemaligen Erzieherinnen und Erziehern, Vertretern der Stiftung Tragwerk und des Diakonischen Werks und Dr. Wenger an, sowohl über das Geschehene und die eigene Situation als auch über aktuelle Themen zu sprechen. Dieser persönliche Austausch wurde in der Vergangenheit sehr gut angenommen und wir hoffen, dass dieser auch weiterhin dazu dienen kann, dass Fragen gestellt und Antworten gegeben werden können.

David Aust für den Vorstand der Stiftung Tragwerk