Ich schäme mich für unser Land, in dessen Nationalhymne „Recht und Freiheit“ besungen werden, aber dessen Regierung es zulässt, dass täglich Dutzende von Flüchtlingen im Mittelmeer ertrinken, ohne einzuschreiten. Es zulässt, dass die sogenannte „libysche Küstenwache“, die von Deutschland mit Booten und Waffen ausgerüstet wurde, Flüchtlinge abfängt, ohne einzuschreiten. Es zulässt, dass diese kriminelle Küstenwache jetzt sogar Seenotretter, deren Schiffe und die Geretteten mit ihren Waffen beschießt und bedroht, ohne einzuschreiten. Es zulässt, dass die Rettungsschiffe mit Flüchtlingen, krank, traumatisiert und am Ende ihrer Kraft, gezwungen werden, nach ihrer Rettung noch 1000 Kilometer bis zu einem Hafen zu fahren, ohne einzuschreiten. Es zulässt, dass die Seenotretter kriminalisiert, mit Geldstrafen belegt und vor Gericht gestellt werden, ohne einzuschreiten . . .
Was auf dem Mittelmeer seit Jahren passiert, ist keine Tragödie mehr, sondern eine politisch nicht verhinderte, sondern sogar gewollte Katastrophe, bei der außer zigtausenden von Menschen auch „Recht und Freiheit“ und die Demokratie untergehen. Zum Glück gibt es immer noch mutige Menschen, die dagegen einschreiten.
Martin Brost, Oberboihingen
