Ich schäme mich:
Für den Besuch unseres Bundespräsidenten bei einem mutmaßlichen Kriegsverbrecher.
Und für unsere Regierung, von welcher Couleur sie auch sein mag, die durch ihre pawlowsche Unterstützung Israels bar jeglicher Kritik allerhöchstens zur Kenntnis nimmt, dass in Gaza das Leid der Verstümmelten – insbesondere Kinder –, das Aushungern einer ganzen Nation und dem Boden gleichgemachtes Land geschieht. Der Überfall der Hamas war ein schlimmes Verbrechen, aber was ist besser bei dem jetzigen Zustand?
Man muss schon besondere Windungen im Gehirn haben, um diese Aktion mit Selbstverteidigung zu erklären. Israel geht immer weiter, und die Welt sieht zu, wie als Nächstes es sich den Gazastreifen einverleiben wird und die Einwohner vertreiben wird. Bei der perspektivlosen Jugend wird der Hass auf Israel noch größer werden und sie wird dadurch direkt in die Arme der Hamas getrieben.
Was unsere besondere Verpflichtung angeht, da fühle ich mich nicht angesprochen. Ich übernehme keinerlei Schuldgefühle für eine fehlgeleitete Generation. Für mich ist Israel ein Staat wie jeder andere und wenn er Mist baut und Verbrechen verübt, habe ich keine Scheu es zu sagen. Und es wäre gut, wenn auch unsere Politiker diesen Mut aufbringen würden. Das hat überhaupt nichts mit Antisemitismus zu tun, aber ich würde auch nie eine Kipa aufsetzen, sowenig wie ich erwarte, dass ein Jude sich ein Kreuz um den Hals hängt.
Gustav Schmidt, Weilheim