Kinder und Jugendliche müssen heute in der digitalen Welt bestehen, können aber jederzeit auf Inhalte zugreifen, die sie überfordern: harte Pornografie, extreme Gewaltdarstellungen, gezielt vereinnahmende Influencer oder Reel-Endlosschleifen. Technische Sperren lassen sich umgehen, Verbote greifen zu kurz. Wirksamer Schutz erfordert Kompetenzen statt Begrenzung. Informatik und Medienbildung sind grundlegende Zukunftskompetenzen – für Kinder wie für Erwachsene.
Erstens: Kinder und Jugendliche stärken. Sie müssen lernen, Desinformation zu erkennen, generative KI zu bewerten und digitale Geschäftsmodelle zu verstehen. Ebenso wichtig ist strukturiertes Problemlösen – eine Kernkompetenz der Informatik. Algorithmisches Denken, das Zerlegen komplexer Aufgaben in Teilschritte und systematisches Analysieren reichen weit über den Computer hinaus.
Zweitens: Erwachsene befähigen. Medienerziehung gelingt nur, wenn Eltern die digitale Lebenswelt ihrer Kinder verstehen. Wer Orientierung geben will, muss Plattformlogiken kennen. Medienbildung darf nicht in der Schule enden: Kostenfreie Schulungsangebote sind nötig, damit auch Erwachsene sicher handeln.
Drittens: Prioritäten im Stundenplan setzen. Die Stundentafel unserer Kinder ist randvoll. Neue Inhalte erfordern eine ehrliche Diskussion über Gewichtung. Musisch-technische Fächer sind für Kreativität und Persönlichkeitsentwicklung unverzichtbar. Eher sollte man den Mut haben, über inhaltliche Überfrachtungen in den klassischen Hauptfächern zu sprechen. Ein Beispiel: Für das alltägliche Leben genügen solide mathematische Grundkompetenzen wie Grundrechenarten, Dreisatz und Prozentrechnung. Vertiefungen werden später in Ausbildung, Studium und Beruf vermittelt.
Um in einer digitalen Gesellschaft souverän zu handeln, müssen wir umdenken. Verbote führen in eine digitale Sackgasse. Echte digitale Souveränität gewinnen wir nicht durch das Trennen vom Netz, sondern durch das Befähigen zum verantwortungsvollen Umgang damit.
Michael Faulhaber, Kirchheim
