Solche Banalitäten von einem Promovierten zu lesen, befremdet schon stark. Sozialismus oder die soziale Bewegung sind keine Ideologie oder Utopie, sondern ein gesellschaftliches Experiment, das dazu dienen soll, eine Ökonomie zu entwickeln, die den Bedürfnissen des Menschen gerecht werden kann. Ursprünglich ist er als Alternative zur krisenanfälligen kapitalistischen Ökonomie angedacht und wissenschaftlich von Karl Marx unterfüttert worden.
Die von Marx vorausgesagte Verelendung wurde exportiert in unterentwickelte Gesellschaften, die ihren reichlich vorhandenen Rohstoff für unseren Wohlstand „opfern“ mussten und durch die Installation korrupter Regime an ihrer Entwicklung behindert wurden.
Was noch nicht ausreichend erprobt oder entwickelt wurde, ist eine demokratische soziale Planwirtschaft, die das Schicksal einer zukünftigen Gesellschaft selbst in die Hand nimmt und nicht den freien Marktkräften überlässt.
Im Gegensatz zum weitverbreiteten Verständnis wird auch in der kapitalistischen Marktwirtschaft geplant und gesteuert, aber alles ist der Kapitallogik unterworfen, die da auf Wachstum und Akkumulation in einer Konkurrenzwirtschaft begründet ist und bisher weite Teile der Erde zerstört hinterlassen hat: Regenwald, Ölpest, Mikroplastik et cetera.
Die im Teckboten Interviewte, auf die sich obiger Leserbriefschreiber beruft, spricht ja auch von einer Alternative zu einem menschheitsbedrohenden Rechtsruck, zu Militarisierung und Naturzerstörung, zur Macht der großen Konzerne. Wovor soll man also da mehr Angst haben?
Also schließlich: Sozialismus oder Barbarei ist nach wie vor die Alternative, vor der wir stehen. Und um den Vorschreiber zu korrigieren: Kapitalismus führt – früher oder später – in eine Barbarei, was ja momentan an verschiedenen Krisenherden gut beobachtet werden kann.
Michael Olpp, Kirchheim
