Leserbrief
Kirche macht sich überflüssig

Zum Artikel „Sehnsucht nach mehr Diplomatie“ vom 4. April

In diesem Artikel zum Thema Ostermärsche und Pazifismus wird die neue Friedensdenkschrift der EKD (Evangelische Kirche Deutschland) vom November 2025 zitiert mit ihrer Aussage, dass sich „der Pazifismus des kategorischen Gewaltverzichts ethisch nicht legitimieren“ lasse. Diese Denkschrift hat zu Recht großen Widerspruch erfahren. Denn der zentrale Tenor darin ist, dass sie – die Kirche, die sich auf den gewaltlosen Jesus gründet, der trotz oder gerade wegen seiner Gewaltlosigkeit am Kreuz starb – der Gewaltlosigkeit nichts zutraut! Deswegen wählt sie den Weg, die Anwendung von Gewalt ethisch zu legitimieren.

Markus Weingardt, Friedens- und Konfliktforscher, Mitarbeiter der Stiftung Weltethos in Tübingen und Beirat von „Ohne Rüstung Leben“ unterzog diese Denkschrift einer vernichtenden Kritik. Er hält sie für theologisch, ethisch und politisch verfehlt, denn „selbst Diplomatie, Abrüstung und sogar die Ächtung von Atomwaffen bleiben für die Denkschrift theoretisches Wunschdenken für eine ferne Zukunft. Sie übernimmt keine konsequente politische Mitverantwortung für den Frieden und schiebt christlichen Pazifistinnen und Pazifisten aller Zeiten kurzerhand auf das theologische, ethische und realpolitische Abstellgleis. Wenn Kirche in diesen Zeiten, in einer Welt in Unordnung, nicht anderes, nicht mehr zu sagen hat als diese Denkschrift, dann hat sie nichts mehr zu sagen. Sie macht sich überflüssig.“

Martin Brost, Oberboihingen