Leserbrief
Kleinkinder schon medienabhängig

Zum Artikel „Rückeroberung der Kindheit?“ vom 5. Februar

Durch ein „Social-Media-Verbot“ für Minderjährige soll „Kindheit“ zurückerobert werden? Man darf schon fragen: „Welche Kindheit ist da gemeint?“ Wer sich heute mit sogenannten „pädagogisch wertvollen Spielen“ schon für Säuglinge (!) im Alter ab zwei bis drei Monaten (!) beschäftigt und den elektronischen Spielen der Folgejahre bis zur Kita, der muss sich um ein Verbot für „Minderjährige“ keine Gedanken mehr machen. Denn die Indoktrination und Medienabhängigkeit wird ja schon in frühestem Alter begonnen, in dem „soziale Medien“ eigentlich nur für Eltern – Vorbild? – relevant sein sollten. Dies geschieht durch Medienberuhigung der Kleinsten im Kinderwagen und das erwähnte „pädagogische Spiel“ im frühestmöglichen Lebensalter, der Stillzeit. 

Angesichts versagender Elterngenerationen ist die propagierte „Kindheit“ medientechnisch ja schon beendet, bevor die Entwicklung und Selbsterfahrung eigener (!) kindlicher Kreativität und sinnlicher Fähigkeiten hätte beginnen können. Es wäre dringend geboten, diese schon Säuglingen und Kleinstkindern „medial aufbereitenden“ und „indoktrinierenden“ Angebote in ihrer destruktiven Zielsetzung zu hinterfragen und zu beseitigen. Denn sonst beantwortet sich die Frage nach einer „Rückeroberung“ von selbst: Was in seiner potenziellen Entwicklungsveranlagung schon möglichst früh unterbunden wurde, bedarf keiner „Rückeroberung“ mehr, weil diese „Kindheit“ sich gar nicht mehr entwickeln durfte.

Matthias Komp, Kirchheim