Leserbrief
Lange Wege zu Bahnhöfen

Zum Artikel „S 1: Ausbau frühestens ab 2036“ vom 10. März

Haben die Befürworter der Idee mit Anliegern der Trasse gesprochen? Es ist lobenswert, wenn man versucht, alte Strecken zu reaktivieren, doch eine Machbarkeitsstudie allein sagt nichts darüber aus, ob die Idee von Anliegern mitgetragen wird. Streit ist vorprogrammiert und kostet Zeit.

Wo sollten die Haltepunkte hin? Die damalige Infrastruktur ist überbaut – zum Beispiel der Spielplatz Bulkesweg, in Jesingen und Holzmaden die alten Bahnhöfe, in Weilheim das Areal der alten Bahnbetriebsstätte durch Kindergarten, Wohnanlage und Diakonie. Wo sollte es in Holzmaden möglich sein, ein- und auszusteigen – ein Haltepunkt muss so lang wie die S-Bahn sein und dann zwischen Festool und Archies über den Kreisel gebaut werden.

Wer von den Holzmadener Bürgern würde zu Fuß aus dem Ort auf die Höhe zur Bahn laufen, wenn unten der Bus hält? Wir werden nicht jünger und 2036 werden auch die heutigen Befürworter nicht mehr so gut zu Fuß sein und anders denken.

Wenn wir Jesingen betrachten, müsste ein Haltepunkt zwischen Einstein- und Naberner Straße gebaut werden. Wären die Jesinger Bewohner aus dem Gebiet Vorderer Straße, Kornberg-, Reußenstein- und Roggenäckerstraße bereit, einen Fußmarsch quer durch Jesingen – an den Bushaltestellen vorbei – zur Bahn zu laufen, an dem nur halbstündlich ein Zug hält, wenn die Busse öfter an drei Haltestellen zwischen Aral und Kirche anfahren?

Wie beantworten Befürworter der Machbarkeitsstudie die Frage, woher die Bahn die zusätzlichen Zugführer bei einer Teilung der S-Bahn in Kirchheim nehmen soll, wir haben heute schon Personalnotstand. Ohne S-Bahn-Führer fährt kein Zug. Alternativ würde nur jede zweite Bahn im Wechsel bis Lenningen fahren. Das heißt nur noch stündlicher Verkehr auf beiden Strecken – dann lohnt sich die mit Millionen an Steuergeldern sanierte Strecke nicht mehr.

Merke: Eine Machbarkeitsstudie durchzuführen, ohne die Beteiligten zu befragen, ist das eine – das sinnvolle Umsetzen der Idee in eine für alle akzeptable Praxis, das andere.

Horst Wiegand, Kirchheim