Leserbrief
Migration im Kostenvergleich

Zum Artikel „Industrie warnt vor Arbeitskräftemangel“ vom 24. Februar

In dem Artikel wird vor höheren Hürden bei der Einwanderung ausländischer Arbeitskräfte gewarnt und von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit gesprochen. Als Gründe für eine ablehnende Haltung gegenüber Migration gibt ein Großteil der deutschen Bevölkerung den geringen Bildungsgrad der in Deutschland Schutzsuchenden an.

Dem ist nicht so. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) stellt fest: „Geflüchtete haben in der Mehrzahl einen höheren Bildungsstand im Vergleich zu ihrer Herkunftsgesellschaft. Zielländer sollten in die weitere Bildung der sehr jungen Bevölkerungsgruppe investieren.“ Dem Artikel kann man Ähnliches entnehmen: Ukrainische Geflüchtete haben im Schnitt ein hohes Bildungsniveau. 

Nun aber zu meinem Kostenvergleich. Dazu muss man wissen: Was kostet ein Kind? Das Statistische Bundesamt (StBA) in Berlin hat es ermittelt. Bis zum Erreichen des 18. Lebensjahres kommt es auf eine Summe von durchschnittlich 148.000 Euro. Nicht berücksichtigt wurden dabei die Mehrkosten für eine eventuell erforderliche größere Wohnung oder der Verdienstausfall bei Arbeitsreduzierung der Eltern.

Was hat diese Kostenberechnung mit Migration zu tun? Beim Vergleich mit den Kosten der illegalen Migration spielt sie eine Rolle. Zunächst hängen sie vom Bildungsgrad des in Deutschland Schutzsuchenden ab, zum Beispiel Analphabet oder Abiturient. Die in Deutschland geborenen Kinder muss der Staat viele Jahre finanzieren, bis sie es zum Steuerzahler geschafft haben. Man denke an Kita, Kindergarten, Erziehungsurlaub, Schulbildung, bis hin zum vielfach angestrebten Studium.

Anders bei den Migranten. Da sind es „nur“ ein paar Jahre intensive Betreuung, Wohnung, Sprachkurse, dann sind es größtenteils Arbeitskräfte und Steuerzahler. Rechnet man jetzt noch die eingangs erwähnten148.000 Euro für das Großziehen eines Kindes dazu, dann relativieren sich die vielfach beklagten Kosten der Zuwanderung. Wie man sieht, nicht nur die Wurst hat zwei Seiten.

Gerhard Ostertag, Bissingen