Wer in Kirchheim und im Umland mit offenen Augen unterwegs ist, erkennt ein wachsendes Problem: der zunehmende Mistelbefall an vielen Bäumen, besonders an alten Obstbäumen, Linden, Pappeln und Ahorn. Misteln sind „Schmarotzer“, im Volksmund genannt, sie sind Parasiten. Sie entziehen dem Baum Wasser und Mineralstoffe, schwächen ihn über Jahre und machen ihn anfällig für Trockenstress, Krankheiten und Schädlingsbefall.
Gleichzeitig wird intensiv über Klimaschutz, CO₂-Bilanz und neue Pflanzaktionen diskutiert. Das wirkt widersprüchlich, wenn bestehende Bäume sichtbar an Vitalität verlieren, ohne dass gegengesteuert wird. Ein stark geschwächter Baum erfüllt seine ökologische Funktion nur noch eingeschränkt, und deshalb gehört der Blick auf die bestehenden Bäume.
Misteln gelten als heimische Art und stehen teils unter Schutz. Doch unter den heutigen klimatischen Bedingungen greift diese Sicht zu kurz. Naturschutz darf sich nicht auf einzelne Arten beschränken, sondern muss den Gesamtzustand der Bäume in den Blick nehmen. Wo Mistelbefall außer Kontrolle gerät, braucht es Pflege und gezielte Begrenzung statt einfaches Wegschauen, denn die Fortpflanzung von diesem Parasit ist enorm.
Wenn wir in der Teckregion ernsthaft über Klima- und Naturschutz sprechen, sollten wir bei der Gesundheit der vorhandenen Bäume anfangen!
Sven Klein, Kirchheim
