Leserbrief
Populistische Symbolpolitik

Zum Artikel „Pumpen für die kleine Teckbahn“ vom 29. Oktober

Respekt vor den Ehrenamtlichen, die 400 Meter Gleis freigeschnitten haben. Befremdlich wirkt dagegen das Foto, auf dem sich Oberbürgermeister Pascal Bader und der Landtagsabgeordnete Andreas Schwarz „mächtig ins Zeug legen“.

Anfang Oktober hat das Land die Reaktivierung Kirchheim–Weilheim auf Eis gelegt. Neu geprüft wird frühestens in fünf Jahren, danach kämen erst Planung und Bau. Entschieden hat das eine Landesregierung, an deren Spitze die Partei von Andreas Schwarz steht. Matthias Gastel (Grüne, Bundestag) verspricht seit Jahren eine Bahn nach Weilheim, während schon die bestehende Teckbahn nach Lenningen ständig ausfällt. Wer so Erwartungen weckt, betreibt populistische Symbolpolitik, fernab der Realität.

Das ist kein grünes Alleinstellungsmerkmal. Auch Landtagsabgeordnete von CDU und SPD aus der Region fallen mir eher mit öffentlichkeitswirksamen Fotos auf als mit greifbaren Ergebnissen.

Dabei lohnt ein Blick in die USA: Dort fahren in mehreren Städten Robotaxis ohne Fahrer, und Anbieter wie Tesla nennen offen das Ziel, pro Kilometer billiger zu werden als Bus und Bahn. In Hamburg laufen erste Tests mit autonomen Shuttles. Bis auf der kleinen Teckbahn frühestens ein Zug rollen könnte, dürften solche Angebote auch bei uns Alltag sein, flexibel und ohne 136 Millionen Euro für Gleise. Und in Kirchheim? Die Stadt schreibt seit 2024 rote Zahlen, plant für 2026 neue Kredite von bis zu elf Millionen Euro und lebt nach eigener Aussage von der Substanz. Da würde ich den Oberbürgermeister gern mit vollem Einsatz sehen. Bürgernähe heißt nicht, schöne Bilder zu liefern, sondern ehrlich zu sagen, was geht und was nicht.

Gregor Welzel, Wernau