Leserbrief
Potenzial nach oben

Zur Berichterstattung über die Umfragewerte zur Bundesregierung

Das Bild, welches die Bundesregierung derzeit abgibt, hat viel Potenzial nach oben. Ja, die Zeiten sind unsicher und turbulent, aber vieles ist durch die in der Regierung Handelnden selbst verschuldet. Friedrich Merz macht nicht alle Fehler selbst, aber er verantwortet das Gesamtbild.

Das Erwartungsmanagement ist katastrophal. Er hat ohne Not viel mehr versprochen, als er halten kann, selbst wenn alles wie am Schnürchen laufen würde.

Er hat kein Team zusammengebracht und auf eine gemeinsame Arbeit verpflichtet. Das wäre seine Führungsaufgabe. Das fängt bei der Auswahl der Personen an. Es sind zu viele Fehlbesetzungen dabei. Für Markus Söder kann er nichts, aber wenn er Lobbyisten ungestört agieren lässt, fällt das auf ihn zurück. Persönliche Beziehungen dürfen nicht Kompetenz ersetzen.

Er hat scheinbar keinerlei Bezug zum normalen Bürger, nicht einmal zum Mittelstand mit seinen Sorgen und Nöten. Er kennt es ja vielleicht auch nicht, aber die Finanzwelt ist nicht die Wirtschaft. Dann muss er sich halt beraten lassen und dabei zuhören. Selbst wirtschaftsnahe Gremien stoßen scheinbar auf taube Ohren.

Er hängt dem alten Irrglauben an, der Markt wird es schon richten, wenn er nur frei genug agieren darf. Wir sehen doch seit Jahrzehnten, dass dies nicht funktioniert. Der Markt kennt keine Ethik. Bestenfalls einige seiner Akteure. Die Riester-Rente, das Gesundheitswesen, der Tankrabatt und vieles mehr haben gezeigt, was der Markt macht, wenn man ihn lässt: Rausholen, was möglich ist.

Auch wenn ich persönlich für eine Reichensteuer wäre, es würde mir schon mal reichen, wenn Steuerhinterziehung und Steuerbetrug konsequent unterbunden würden.

Doch Potenzial nach oben bedeutet auch, dass man es ändern kann, wenn man will. Wir können nur hoffen, dass dies bald passiert. Zur Not auch mit geändertem Personal.

Rolf Endermann, Kirchheim