Die Vorschläge des CDU-Wirtschaftsrates zur Reduzierung von Teilzeitarbeit sind realitätsfremd und wirtschaftspolitisch fahrlässig. Wer ernsthaft glaubt, den Fachkräftemangel durch Einschränkungen der individuellen Arbeitszeitmodelle zu bekämpfen, verkennt Ursache und Lösung des Problems.
Teilzeit ist kein Wohlstandsrisiko, sondern für viele – besonders für Frauen – eine Voraussetzung dafür, überhaupt erwerbstätig zu sein. Wenn der CDU-Wirtschaftsflügel mehr Arbeitsstunden möchte, sollte er dort ansetzen, wo es nachweislich wirkt: bei besseren Rahmenbedingungen für Frauen, die gerne mehr arbeiten würden. Dazu gehören die verlässliche Kinderbetreuung, ein Steuerrecht, das Zweitverdienende nicht benachteiligt, sowie Arbeitsmodelle, die Familie und Beruf realistisch ermöglichen. All dies ist empirisch belegt und wird von der Union regelmäßig blockiert oder verzögert.
Stattdessen nun Teilzeit zu begrenzen, würde weniger Flexibilität, mehr Druck und am Ende weniger Arbeitskräfte bedeuten. Also nicht die Lösung des Problems, sondern die Verschlimmbesserung. Man muss es deutlich sagen: Wer in Zeiten eines lang anhaltenden Fachkräftemangels über Verschlechterungen der Teilzeitmöglichkeiten nachdenkt, stellt seine wirtschaftspolitische Kompetenz selbst infrage.
Modern, leistungsstark und zukunftssicher wird unsere Wirtschaft nicht durch Zwang, sondern durch kluge Rahmenbedingungen. Es kommt dabei auch darauf an, dass Vorgesetzte im Einzelfall einvernehmliche Arbeitszeitvereinbarungen mit den Beschäftigten treffen. Alles andere ist Symbolpolitik zulasten derer, die unser Land tagtäglich erfolgreich am Laufen halten.
Günter Gerstenberger, Kirchheim
