Leserbrief
Sicherheit und Flüssigkeit

Zum Artikel „Zeitfresser Stau“ vom 22. Januar

In dem Artikel liest man Aussagen wie: „Pendler immer stärker ausgebremst“, „Staulevel höher als im Vorjahr“, „Reisegeschwindigkeit sinkt“ und „Mehr Stress“. Wundert das wirklich jemanden? Wer fühlt sich nicht gestresst, wenn er für die Strecke von A nach B heute deutlich mehr Zeit benötigt als früher? Jeder Autofahrer kennt die Anspannung, wenn wieder einmal nichts vorangeht, die Ampel schon wieder auf Rot springt oder die nächste Baustelle den Verkehr zum Stillstand bringt.

Natürlich ist es richtig und wichtig, vor Schulen, Kindergärten und in klar abgegrenzten Wohnbereichen die Geschwindigkeit zu reduzieren. Dort steht die Sicherheit im Vordergrund. Doch was inzwischen vielerorts geschieht, geht weit darüber hinaus: 30 Stundenkilometer auf Durchgangsstraßen ohne erkennbare Gefahren­lage, Tempolimits von 80 Stundenkilometer auf sechsspurigen Autobahnen, nur weil ein Betonteil auf dem Standstreifen deponiert wurde, oder der Rückbau von Bushaltebuchten, sodass der gesamte Verkehr dahinter warten muss. Dazu kommen Ampelschaltungen, die oftmals den Verkehr eher ausbremsen als flüssig halten. All das erzeugt Stress – und zwar täglich, für Hunderttausende.

Dieser Stress ist real, er belastet, er kostet Zeit und Nerven. Und er kann, wenn er zu viel wird, ebenfalls gefährlich werden. In keiner Verkehrsstatistik taucht das auf, obwohl es jeden Tag spürbar ist.

Eine moderne Verkehrspolitik sollte Sicherheit und Flüssigkeit gleichermaßen im Blick behalten. Maßnahmen, die gut gemeint sind, dürfen nicht dazu führen, dass Mobilität zur Geduldsprobe wird. Infrastruktur muss den Alltag erleichtern – nicht erschweren.

Rainer Mangold, Kirchheim