Wir fragen uns, ob die aktuelle gesellschaftliche Debatte – und vor allem die Realität in Familien und Schulen – in dieser Position ausreichend berücksichtigt wird. Wir erleben in Familien und Schulen zunehmend die Folgen exzessiver Social-Media-Nutzung bei Kindern und Jugendlichen: Schlafmangel, Konzentrationsprobleme, sozialer Rückzug, massiver Vergleichsdruck, Cybermobbing sowie Angststörungen und depressive Entwicklungen. Das sind keine Einzelfälle, sondern ein wachsendes gesellschaftliches Phänomen.
Medienbildung, elterliche Begleitung und eine stärkere Verantwortung der Plattformen sind wichtige Bausteine. Doch sie reichen nicht aus. Die Geschäftsmodelle der Plattformen beruhen auf maximaler Aufmerksamkeit – auch von Minderjährigen. Algorithmen, Belohnungssysteme und psychologische Mechanismen sind gezielt darauf ausgelegt, Nutzerinnen und Nutzer möglichst lange zu binden. Selbst Erwachsene tun sich schwer, diesen Mechanismen zu widerstehen. Wie sollen Kinder das leisten?
Von „starren Altersverboten“ zu sprechen, greift aus unserer Sicht zu kurz. Es geht nicht um Bevormundung, sondern um wirksamen Schutz. In nahezu allen anderen Lebensbereichen schützen wir Kinder durch klare gesetzliche Regeln – im Straßenverkehr, beim Alkohol oder beim Glücksspiel. Warum sollte ausgerechnet im digitalen Raum, der tief in die Entwicklung junger Menschen eingreift, allein auf freiwillige Selbstverpflichtung gesetzt werden?
Die Realität zeigt: Altersgrenzen existieren bereits – in AGB, im Datenschutzrecht, in internationalen Empfehlungen. Sie werden jedoch nicht konsequent kontrolliert oder durchgesetzt. Das ist kein individuelles Erziehungsversagen, sondern ein strukturelles Problem.
Wir wünschen uns eine Politik, die Schutz, Bildung und klare Rahmenbedingungen zusammendenkt – und den Mut hat, dort einzugreifen, wo Kinder systematisch gefährdet werden. Es geht um die seelische Gesundheit einer Generation, um Chancengerechtigkeit und um die Zukunft unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts.
Nicole Pfänder für die Kirchheimer Community der Initiative „Smarter Start ab 14“
