Leserbrief
Unnötige Neiddebatte

Zum Artikel „Teure Staatsdiener“ vom 24. November

Der Leitartikel ist teilweise falsch und schürt unnötig die Neiddebatte gegen Beamte. André Bochow sollte sich erst einmal fachkundig machen, bevor er fehlerhafte Argumente veröffentlicht. Es stimmt, dass es 1,76 Millionen Beamte gibt und diese in den Sozialversicherungen nicht pflichtversichert sind. Aber damit enden auch schon die wahren Argumente. Bei der Beihilfe erhält der Beamte in der Regel zwischen 50 und 70 Prozent der ausgestellten, für Privatpatienten erhöhten Arztrechnungen, der Rest muss über eine private Krankenversicherung abgedeckt werden.

Die Pensionen sind aus zwei Gründen höher: Beamte sind in der Regel gut ausgebildet und die Pension ist eine All-inclusive-Leistung, anders als bei Angestellten, die neben der gesetzlichen Rente auch noch eine Betriebsrente haben. Mir sind keine Privilegien bekannt, die ein Beamter zusätzlich bekommt, die nicht, wie bei den Versicherungen, begründet sind.

Warum werden Beamte eingestellt: Dies hat überwiegend finanzielle Gründe beim Arbeitgeber. Da der Beamte keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen muss, entfallen für den Arbeitgeber erhebliche Beträge, die er ansonsten leisten muss. Dies wurde verschiedentlich in verschiedenen Beiträgen von Wissenschaftlern und auch Rechnungshöfen veröffentlicht und bestätigt.

Man kann darüber nachdenken, weniger Beamte einzustellen, zum Beispiel im Lehrerbereich. Dies ist in der Summe nicht billiger und birgt die Gefahr, dass, wie bei der Bahn, der Lehrer lange streiken kann. Ob dies im Sinne der hinkenden Bildungspolitik ist, möchte ich dahingestellt lassen. Es ist richtig, sich Gedanken zu machen, wie in Zukunft der öffentliche Dienst aussehen soll, aber nicht mit falschen und fehlerhaften Argumenten.

Peter Lehmann, Lenningen