Leserbrief
Weniger statt mehr Bauland

Zum Leserbrief „Weniger Bauvorschriften“ vom 3. August

Man kann nur den Kopf schütteln, wenn man in diesem Leserbrief liest, dass der Verein Haus und Grund vor allem mehr Bauland fordert. Landauf, landab erzählt einer dem anderen Politiker, dass die Wohnungsnot nur durch weiteren Neubau zu lösen sei.

Aktuell fehlen in Deutschland 1,4 Millionen Wohnungen. Laut den offiziellen Zahlen stehen fast zwei Millionen Wohnungen leer. Durch Aufstockungen bestehender Gebäude könnten nochmals über zwei Millionen Wohnungen geschaffen werden.
Selbst im Verbreitungsgebiet des Teckboten ist der Leerstand und das Potenzial, innerorts Wohnraum zu schaffen, enorm. Ich kann Herrn Spieth nur empfehlen, sein Büro zu verlassen und mal durch die Gemeinden und Städte zu gehen. Zur Lösung der Wohnungsproblematik braucht es andere Lösungen als einen Bauturbo, eine Bundesbaugesellschaft für Wohnungsbau oder Neubau auf der grünen Wiese.

Leider kümmert sich die Politik nicht darum, dass Vermieten wieder lukrativ und interessant für Wohnungseigentümer und Investoren wird. Auch gibt es kein Leerstands- und Nutzungskataster. Kleinvermieter werden ungenügend gegen säumige Mieter und Mietnomaden geschützt. Auch der Mietpreisspiegel hemmt Renovierungs- und Ausbau-Investitionen. Und vor allem muss das Bauen auf der grünen Wiese deutlich erschwert werden! 

Derzeit wird viel zu schnell und viel zu einfach wertvolle Kulturfläche zerstört für den Bau von Einfamilienhäusern. Darin sieht man, dass keine Wohnungsnot vorhanden ist. Denn Einfamilienhäuser sind große Flächenverbraucher und ‑versiegler, ineffizient in Bezug auf Material und Energie.

Auch Haus und Grund muss endlich den Traum vom Bauen der 1970er-Jahre ad acta legen, denn diesen können wir uns nicht mehr leisten. Wir sollten unsere aktuell unbebauten Kulturflächen nutzen für die Renaturierung von Gewässern, naturnahe Wälder, mehr Moore und für eine humusaufbauende Bio-Landwirtschaft. Diese Maßnahmen helfen gegen die Hitze, Grundwasserverlust und unterstützen beim Kampf gegen den Klimawandel.

Uwe Mutschler, Neidlingen