Die Wahl ist vorbei, die Demokratie ist gestärkt aus ihr hervorgegangen. Die Beteiligung war hoch wie selten und der überwiegende Teil hat demokratische Parteien gewählt. Lange Zeit haben die Umfragen die CDU als sicheren Sieger aussehen lassen. Für sie war es sowieso ein „Betriebsunfall“, dass die Grünen den Ministerpräsidenten gestellt haben. Sie hofften, dass sich nach der Wahl wieder die Ordnung in Form eines CDU-Ministerpräsidenten einstellt.
Verständlicherweise war die Enttäuschung und Verärgerung groß. Mit Özdemir haben die Grünen einen würdigen Nachfolger für Kretschmann gefunden. Für Özdemir waren 39 Prozent der Bevölkerung, für Hagel 19. Von einem grünen Mitglied ist ein Video ins Netz gegangen. Ich fand die Veröffentlichung auch unnötig. Aber aus vielen Begegnungen weiß ich, dass das Video der CDU genützt hat, der Sieg der Grünen wäre ohne die Veröffentlichung größer ausgefallen. Aus einem unbekannten Kandidaten ist ein sehr bekannter geworden. Viele Bürger haben mir am Wahlkampfstand gesagt, dass sie aus Mitleid Hagel wählen. Dass die CDU nun ihre „beleidigte Leberwurst“ wie eine Monstranz vor sich herträgt, ist völlig unberechtigt. Es wäre mal schön, wenn sich die CDU an die „Dreckkübel“ erinnern würde, die sie über Baerbock, Habeck und die Grünen ausgeschüttet haben: Merz zum Beispiel kurz vor dem Regierungswechsel, um dann als Kanzler genau das zu machen, was Habeck vorgeschlagen hat.
Die Grünen liegen mit dem Vorsprung von 27.000 Stimmen vorn – eine Stadt wie Wiesloch. Es gibt keinen Grund, sich so aufzuführen. Bei Lanz hat Strobel sich dazu verstiegen, zu drohen, es gäbe die Möglichkeit der Neuwahl. Mein Appell an die CDU: sich wieder wie normale Demokraten aufzuführen und nicht wie trotzige Kinder. Das Land hat andere Probleme als eine entgleiste CDU, die über die Stränge schlägt. Fangt endlich an zu arbeiten, dafür seid ihr gewählt, getreu dem Ausspruch des allseits geschätzten Erwin Teufel: Erst kommt das Land, dann die Partei und dann ich.
Roland Zizelmann, Kirchheim
