Leserbrief
Zum Frieden erziehen

Zum Artikel „Dobrindt will Schüler auf Kriegsgefahren vorbereiten“ vom 27. Oktober

Innenminister Dobrindt (CSU) treibt die Militarisierung Deutschlands voran, mit diesem Vorstoß in die Schulen. Der Schriftsteller Wolfgang Borchert hat 1947 angesichts der völligen Zerstörung durch zwei völlig sinnlose Weltkriege sein Anti-Kriegs-Manifest „Dann gibt’s nur eins: Sagt Nein!“ verfasst. Es war sein Vermächtnis und wendet sich in flammenden Appellen an Arbeiter, Verkäufer, Büroangestellte, Fabrikbesitzer, Forscher, Dichter, Ärzte, Pfarrer, Kapitäne, Piloten, Schneider, Richter, Zugführer und zuletzt an die Mütter: Sie sollen ihren Dienst verweigern, wenn sie aufgefordert werden, für den Krieg tätig zu werden. Die Lehrer kommen darin seltsamerweise nicht vor, vielleicht, weil ihre Tätigkeit nicht unmittelbar Folgen für die Kriegstüchtigkeit hat.

Herr Dobrindt will das offenbar ändern. Aber unsere Schulen sind nicht dazu da, Schüler „kriegstüchtig“ zu machen, sondern dazu, sie zu selbstverantwortetem Ja und Nein zu befähigen, sie nicht zu indoktrinieren und schon gar nicht, ihnen Angst zu machen. In dem ungeheuerlichen Vorstoß des Innenministers fehlt völlig die Erziehung zur Friedensfähigkeit und zur Kriegs- und Krisenprävention. Die müsste dann ebenso eine Doppelstunde bekommen. Dass er daran nicht gedacht hat, spricht eine deutliche Sprache und fordert zu ebenso deutlichem Widerspruch heraus.

Martin Brost, Oberboihingen