Leserbriefe

Das Ukraine-Dilemma

Zur Berichterstattung über den Krieg in der Ukraine

Stefan Zweig: Einer muss den Frieden beginnen, wie den Krieg. 

Carl Sandburg: Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin.

Aufgereiht wie Perlen auf einer billigen Schnur pilgern sie an die Front. Oder zumindest in die Nähe. Wobei Nähe ja definierbar ist. Die Regierenden. Die Herrschenden. Die Wichtigen. Die Bedeutungslosen. Die Prominenten. Die Unbekannten. Wie es ihnen gefällt. „Ja, ich war dort!“ „Nein, da geh ich nicht hin.“ „Deine Pflicht ist dorthin zu fahren!“ „Schwere Waffen sofort!“ „Waffen töten!“ „Die müssen gewinnen.“ „Wer?“ . . .

Jedem, der sich dorthin verfügt, jeder Waffe, die dort landet, ist eines gemein: Der Krieg wird dadurch nicht beendet werden! Auch nicht durch Aufnahme in die EU. Oder die Aufnahme in die Nato. Auch nicht durch regelmäßige, choreografierte Videoausstrahlungen eines, um seine mediale Wirkung wissenden, ehemaligen Schauspielers und jetzigen Präsidenten. Respekt für seine Entscheidung, dies aus dem Kriegsland zu tun und nicht aus dem sicheren Ausland!

Der Krieg wird auch nicht beendet werden durch fortgesetzte, jeder einfachen Diplomatie widersprechenden, Provokationen und Beleidigungen eines Berufspolitikers von Staaten und Personen. Ein Krieg endet auch nicht durch Sieg der einen und Niederlage der anderen Partei. Wenn „Krieg die bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ ist, dann ist Frieden, also Politik, die bloße Fortsetzung des Krieges! Und es scheint, dass die Welt, zumindest die westliche, Krieg und Frieden unter allen Umständen gewinnen will!

Plato: Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen.

Cicero: Der ungerechteste Frieden ist immer noch besser als der gerechteste Krieg.

Jürgen Wannenwetsch, Kirchheim

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