Leserbriefe

Die fabelhafte Welt des Winfried K.

Zur Berichterstattung über die Corona-Verordnung

Bisher war Winfried K. ein typisch schwäbisches Beispiel für den Biedermann – gediegen bürgerlich und sparsam mit der Kritik an den Obrigkeiten, zumindest als Angela Merkel noch im Amt war. Mittlerweile sind die Grünen mit an der Regierung beteiligt und seit Montag sind alle Infektionsschutzmaßnahmen ausgelaufen und beruhen fast nur auf Freiwilligkeit – und das passt Winfried K. so gar nicht ins Konzept. Er hätte die Freiheitseinschränkungen gerne verlängert. Bekannte Gründe dafür sind der Schutz der unverantwortlichen Bürger vor der Pandemie und die Dauerparole „Not kennt kein Gebot!“.

Allerdings hatte man den Eindruck, dass Winfried K. alleine in den letzten zwei Jahren in „the Länd“ voll auf Erfolgskurs war mit demjenigen Grundsatz, der schon in der DDR prima funktioniert hat: Die rechtschaffenen Bürger sind dazu aufgerufen, ihre Mitmenschen auf Regierungs- und Gesetzestreue hin zu überprüfen. Das fängt an bei der Schaffung eines Meldeportals für Steuerhinterzieher und endet bei der Aufforderung des Ministerpräsidenten, diejenigen Mitbürger zu denunzieren, die sich nicht an die Corona-Schutzmaßnahmen halten. Und dass es für den alten weißen Mann kein Problem ist, rechtsstaatliche Prinzipien im Namen der Pandemiebekämpfung zu umgehen, hat er ja schon einmal vollmundig angekündigt. Kretschmann rules the Länd.

Roman Schuster, Kirchheim

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