Leserbriefe

Im Bestand nachverdichten

Zum Artikel „Weilheim will weg von Öl und Gas“ vom 24. März

Weilheim stellt einen Fahrplan für klimaneutrale Wärmeversorgung auf. Cellcentric möchte Wasserstoff produzieren und verbrauchen. Die anfallende Abwärme entspricht 1,4 Millionen Liter Heizöl. Diese Abwärme in der Beheizung von städtischen Gebäuden und Privathäusern in der Kächeles-Siedlung zu nutzen, soll untersucht werden. Die Fragen dazu sind: Produziert Cellcentric Wasserstoff rund um die Uhr und sieben Tage die Woche? Was kostet die Installation der Fernwärme und wer zahlt dies? Was passiert mit der Abwärme im Sommer? Passt so eine Gigafabrik überhaupt zu unserem beschaulichen Weilheim? 

Herr Kuck, der Gewerbeverein und Weilheimer Unternehmen werben für Cellcentric als Leuchtturmprojekt für Zukunftstechnologie. Das war gestern. Befürchten die Ja-Sager zum Industriegebiet, dass die Ansiedlung der großen Brennstoffzellenfabrik, gesponsert mit zig Millionen Steuergeldern, bei den Weilheimern doch nicht so gut ankommt? Heute werben sie mit: für unsere Weilheimer Firmen, Steuern, schöne Spielplätze, sichere Arbeitsplätze, moderne Ausbildungsplätze, Chancengleichheit für junge Menschen und für eine lebenswerte Stadt. Das kann jeder unterschreiben! 

Doch die Weiterentwicklung der Betriebe sollte zuerst wie bei der Wohnbebauung im Bestand nachverdichtet werden. Sollte dies nicht ausreichen, kann man immer noch über ein kleines Gewerbegebiet für örtliche Betriebe nachdenken, wobei dann auch ein nachhaltiger Ausgleich stattfinden muss. Nachhaltigkeit muss endlich heute umgesetzt werden, unsere Lebensweise neu gedacht werden. Wir müssen heute den Gürtel enger schnallen, sonst besteht die Gefahr, dass wir ihn verlieren und dann mit heruntergelassener Hose dastehen.

Hansjörg Diez, Weilheim

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