Leserbriefe

Keine Mottenkiste

Leserbrief zum Bericht „Im Eigenhändig wird eingepackt“ vom 19. Februar und zur Leserzuschrift „Verhungert Kirchheim“ vom 20. Februar

Als Stammkunde des Unverpacktladens bedauere ich, dass Laura Bäss­ler schließen muss. Zu keiner Zeit entstand allerdings die Notwendigkeit, das Auto zu nutzen. Reis, Gewürze oder Spülmittel unverpackt in mitgebrachten Gefäßen zu kaufen, konnte problemlos zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigt werden. Als Gründe der bevorstehenden Geschäftsaufgabe dürften die Randlage des Ladens, mehr noch das Einkaufsverhalten großer Teile der Bevölkerung ausschlaggebend sein. Nach dem Motto: mit dem Auto zum großen Discounter, einkaufen, egal was an Verpackung anfällt.

Im Leserbrief zur Geschäftsaufgabe stellen die Ausführungen des Herrn Kittl die Realität auf den Kopf. Nach der Theorie des Schreibers müssten Geschäfte wie das Reformhaus oder der Teeladen als Nächstes schließen, da der autofahrende Kunde diese nicht direkt anfahren kann und daher ausbleibt. Der Autor hat wohl übersehen, dass Kirchheim im Landkreis Esslingen die höchste Kaufkraft besitzt, die Innenstadt mit dem Wochenmarkt, den Läden sowie der Gastronomie eine hohe Attraktivität genießt und einen Magneten für das Umland darstellt. Mit der S-Bahn und den vorhandenen Parkmöglichkeiten besteht eine ausgewogene Grundlage. Für den Fuß- und Fahrradverkehr gibt es noch Verbesserungsbedarfe, damit für Kurzstrecken das Autos gemieden wird.

Die im Leserbrief von Herrn Kittl vorgeschlagene Verkehrspolitik stammt aus der Mottenkiste der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts. Anstatt einer rückwärtsgewandten Stadtentwicklung mit einer Fixierung auf den motorisierten Individualverkehr das Wort zu reden, geht es darum, Städte klimaneutral zu machen. Grünflächen und Kontaktmöglichkeiten sind zu schaffen, alles Maßnahmen, die letztlich dem Gemeinwesen und damit auch dem Handel zugutekommen. Im Übrigen empfehle ich, im Unverpacktladen einzukaufen und sich mit Städten wie Wien oder Paris zu befassen.

Michael Köber, Kirchheim