Leserbriefe

Organspende: neuer Anlauf

Zum Artikel „Regeln für Organspende reformieren“ vom 3. Juni

Gut, dass Baden-Württembergs Gesundheitsminister Lucha dieses Thema wieder aufgreift, passend zum „Tag der Organspende“, der dieses Jahr am 4. Juni stattfindet. Immerhin sind schon mehr als zwei Jahre vergangen, seit der Deutsche Bundestag im Januar 2020 die von vielen erhoffte „Widerspruchslösung“ ablehnte. Geblieben ist der Mangel an zur Transplantation verfügbaren Organen. In der überwiegenden Mehrheit der europäischen Länder gilt die oben erwähnte „Widerspruchslösung“.

Zuletzt, am 15. Mai dieses Jahres, haben sich die Schweizer per Volksabstimmung mit 60,2 Prozent dafür ausgesprochen. Man darf davon ausgehen, dass auch die Eidgenossen sich etwas dabei gedacht haben. Es gibt gute Gründe für oder gegen eine solche Regelung. Nicht stichhaltig dürfte das gegen eine Änderung der jetzigen Rechtslage aufgeführte Argument sein, dass der Begriff „Organspende“ dann nicht mehr zutrifft. Spenden unter einem gewissen Zwang passt nicht zusammen. Dann eben „Organverfügung“. Problem gelöst. 

Die Warteliste in Deutschland für ein Spenderorgan ist lang und die meisten warten vergeblich. Wir haben seit letztem Jahr eine neue Regierung mit vielen neuen Gesichtern und damit auch neuen Erkenntnissen und Meinungen. Vielleicht gibt es auch bei diesem Thema einen Meinungsumschwung und wir bekommen doch noch die von den meisten Ländern propagierte „Widerspruchslösung“ und damit hoffentlich mehr Spenderorgane. Zu wünschen wäre es.

Gerhard Ostertag, Bissingen  

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