Leserbriefe

Teflon-Tom

Leserbrief zu der Berichterstattung über die Affäre Strobl

Als der amerikanische Präsident Bill Clinton 1998 den Amtsenthebungsantrag der Republikaner wegen der Lewinsky-Affäre mit einem blauen Auge überstand, wurde er in manchen Medien teils herablassend, teils bewundernd als „Teflon-Bill“ bezeichnet, an dem jegliche Kritik abperlt.

Bei dem unsäglichen Hickhack um die Person des baden-württembergischen Innenministers Thomas Strobl kommen dem entsetzten Polit-Beobachter derzeit zu dessen Person ähnliche Gedanken: „Stuhlkleber“, „Pattex-Politiker“, „Teflon-Tom“ . . .

Wieso haben Strobl und sein Ministerium die Weitergabe des Anwaltsschreibens an die Presse gegenüber der Staatsanwaltschaft und der Öffentlichkeit zunächst verheimlicht und der Staatsanwaltschaft zudem Ermittlungen zur mutmaßlich undichten Stelle nicht erlaubt, wenn er angeblich „nichts Unrechtes“ getan hatte? Im weiteren Verlauf sprach Strobl gar in Verkehrung der Tatsachen von einer von ihm angestrebten „maximalen Transparenz“: für mich der Gipfel der Heuchelei. Wenn Strobl angeblich unschuldig ist, warum bot die Staatsanwaltschaft ihm dann einen 15 000-Euro-Deal an, mit dessen Annahme er sich „freikaufen“ konnte? Dass die Opposition im Landtag einen von vornherein leider chancenlosen Entlassungsantrag stellte: für mich ein Gebot der „politischen Hygiene“.

Dass Ministerpräsident Kretschmann über seinen Vasallen Strobl in Nibelungentreue wieder einmal die Hand hält, um ungestört „durchregieren“ zu können: „dees hat a G’schmäckle“!

Dr. Ernst Kemmner, Kirchheim

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