Leserbriefe

Verdrehung der Tatsachen

Zum Artikel „Alles steht Kopf“ vom 14. September

Der Leitartikel von Dorothee Torebko verfolgt nur ein Ziel: die grüne Atompolitik bekämpfen. Die Mittel dazu sind erbärmlich: eine Überschrift, die suggeriert, die Entscheidung Habecks lediglich für Notfallreserve statt „Streckbetrieb“ der AKW würde „alles auf den Kopf“ stellen. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Die Abschaltung im Dezember ist gesetzlich verankert, und wer für den Weiterbetrieb ist, der stellt alles auf den Kopf! Denn dazu wäre eine neue gesetzliche Regelung notwendig, weil der Betrieb sonst illegal ist. Aber diese ist gar nicht vorgesehen.

Auch alle weiteren Aussagen verdrehen die Tatsachen: Der einzig argumentative Satz, die AKW könnten „beim Übergang helfen“, ist völlig falsch. Die Atom-Expertin Angela Wolff vom BUND sagt dazu: Die drei noch laufenden AKW spielen „für unsere Energiekrise keine Rolle, weder für den Strompreis noch für die Gasmangellage und auch nicht für die Stromnetzstabilität. Insofern sind sie verzichtbar“. Aber der Artikel faselt stattdessen drohend von „Energiesparlampen und kalten Wohnungen“, ja sogar vom Risiko eines „Blackouts“. Alle Mittel sind der Verfasserin recht für ihr Ziel, sogar so schwachsinnige Aussagen wie die über die „Greta-Generation“ . . .

Ein solcher Leitartikel bewegt sich auf Bild-Zeitung-Niveau, er ist reine Stimmungsmache und befördert keinen rationalen Diskurs, sondern verhindert ihn – ganz im Sinne des „Wählers“, der keine „Änderung“ will und dem egal ist, dass Neckarwestheim 2 schon seit Jahren ohne gültigen Sicherheitsnachweis läuft . . .

Martin Brost, Dettingen

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