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Henriettengarten: Quartiersplätze haben für Kinder keinen Spielwert

Stadtplanung Die Bewohner des neuen Kirchheimer Stadtquartiers Henriettengarten ärgern sich über die merkwürdige Gestaltung der Quartiersplätze in ihrem Viertel. Sie hätten sich einen echten Spielplatz gewünscht. Von Antje Dörr

Das neue Wohnquartier Henriettengarten strahlt jene Sterilität aus, die alle Neubaugebiete gemeinsam haben. Die Hecken sind gerade erst gepflanzt, die Bäume müssen noch wachsen. Alles wirkt neu und unberührt. Die Eltern, die sich mit ihren Kindern an einem der Quartiersplätze eingefunden haben, fühlen sich in ihrer neuen Heimat dennoch bereits pudelwohl. „Das Viertel ist genial ge­plant“, sagt Nathalie Hörster. Die Mutter von vier Kindern kann ihren Nachwuchs unbesorgt auf die „Straße“ lassen, denn innerhalb des Viertels gibt es dank der Tiefgarage weder Parkplätze noch Autoverkehr. „Das ist wirklich sehr kinderfreundlich“, sagt sie. 

 

Keiner fühlt sich verantwortlich, und die Kinder müssen es ausbaden.
Nathalie Hörster, Anwohnerin

 

Nur eines können die Eltern aus dem Henriettengarten nicht begreifen: Wer sich die zwei Plätze ausgedacht hat, die im Herzen des Quartiers liegen. Eine der beiden Schotterflächen, die von vier Bäumen gesäumt wird, ist mit drei unbeweglichen Holztieren ausgestattet. Auf der zweiten befindet sich ein winziges Trampolin. Schaukel, Rutsche, Klettergerüst oder Sandkasten? Fehlanzeige. „Die Kinder spielen hier nicht“, sagt Nathalie Hörster, und die Kinder, die eigens fürs Foto auf die Tiere geklettert sind, bestätigen das. „Wir finden die Tiere total langweilig. Die bewegen sich nicht, man kann eigentlich nur darauf stehen“, sagt ein Mädchen. 

Kinder zieht es nicht auf den Spielplatz

Dass es für die Kinder in einem Viertel, in dem die Gärten klein sind, so unattraktive Spielmöglichkeiten gibt, findet auch Eda Kassatly schade. „Wir als Mütter können unsere Kinder nicht mal eben auf den Spielplatz schicken, weil die dort einfach nicht hinwollen. In den Gärten ist es teilweise richtig laut, weil die Kinder irgendwann anfangen, dort Quatsch zu machen“, sagt sie. Anfangs seien die Kinder häufig auf den benachbarten Spielplatz der Baptisten-Gemeinde gegangen, der deutlich attraktiver ist. Doch seit der Zaun, der zu Beginn der Bauarbeiten demontiert worden war, wieder aufgebaut ist, ist das nicht mehr ohne Weiteres möglich. 

Bei Fischer Wohnbau & Immobilien, jenem Unternehmen, das den Henriettengarten gebaut hat, weiß man bereits, dass nicht alle Eltern mit den Quartiersplätzen einverstanden sind. „Wir haben bei dem Platz mit den Holztieren schon Beschwerden gehört und die Frage, ob das gemäß Planung ist“, sagt der Kaufmännische Leiter Andreas Lechner. Er schiebt den schwarzen Peter jedoch an die Stadt weiter. „Es gab einen städtebaulichen Wettbewerb, in dem die jetzigen Quartiersplätze schon vorhanden waren. Dieser Entwurf hat sich im Wettbewerb durchgesetzt“, sagt Lechner. Die Plätze seien analog dem Wettbewerb gebaut und mit allen Beteiligten abgestimmt worden.

Stadt will mit Holztieren nichts zu tun haben

Dass es einen städtebaulichen Wettbewerb gegeben hat, in dem sich der Siegerentwurf gegen drei andere durchgesetzt hat, bestätigt Stadtplaner Gernot Pohl. Eine Jury, bestehend aus Mitgliedern des Gemeinderats, der Verwaltung und des Investors, habe über den besten Entwurf entschieden und ihn dem Gemeinderat ans Herz gelegt, der anschließend dafür abstimmte. Allerdings weist Pohl die Schuld für die magere Ausstattung der Quartiersplätze von sich. „ In dem städtebaulichen Wettbewerb steht nicht, was ganz genau auf diesen Platz kommt“, sagt Pohl und ergänzt: „Wir haben die Ausstattung der Fläche nicht geplant. Das war Aufgabe des Investors“.  

Andreas Lechner von Fischer Wohnbau & Immobilien gibt auf erneute Anfrage zu, dass die Jury, die über den Siegerentwurf entschieden hat, nicht über die Ausgestaltung der Quartiersplätze informiert war, weil die Planung zum damaligen Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen gewesen sei. Die Frage, warum man dann nicht die Chance ergriffen habe, die Anwohner bei der Gestaltung der Quartiersplätze einzubinden, weist er jedoch von sich. „Die Planung war abgeschlossen, bevor alle Bewohner jedes Baufeldes feststanden“, sagt er. Zudem seien die Plätze keine reinen Spielplätze, sondern Quartiersplätze, die alle Menschen, die im Quartier leben und wohnen, zum Begegnen und Verweilen einladen sollten. „Zudem ist anzumerken, dass auch die Quartierstraße als Spielstraße zum Spielen einladen soll, sobald das gesamte Projekt fertiggestellt ist“, sagt Lechner.

„Der Klassiker. Keiner fühlt sich verantwortlich, und die Kinder müssen es ausbaden“, kommentiert Anwohnerin Nathalie Hörster die gegenseitigen Schuldzuweisungen von Stadt und Investor.