Kirchheim

23-Jähriger macht das Rennen

Christopher Flik wird im Herbst der neue Jesinger Ortsvorsteher

Wieder einmal hat der Jesinger Ortschaftsrat einen neuen Ortsvorsteher gewählt: Christopher Flik. Auch der Gemeinderat hat die Wahl inzwischen bestätigt.

Vom Kirchheimer Gemeinderat als künftiger hauptamtlicher Ortsvorsteher für Jesingen bestätigt: der 23-jährige Christopher Flik.F
Vom Kirchheimer Gemeinderat als künftiger hauptamtlicher Ortsvorsteher für Jesingen bestätigt: der 23-jährige Christopher Flik.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Die Nachfolge von Christopher Grampes, der Anfang Oktober in die Verwaltung der Universität Hohenheim gewechselt war, soll nun – so bald wie möglich – Christopher Flik antreten. Bei seiner Vorstellung im Kirchheimer Gemeinderat ging der „Neue“ auf die Gleichheit der Vornamen ein und stellte mit einem leichten Augenzwinkern fest: „Wenn auf Christopher Grampes jetzt Christopher Flik folgt, dann fällt wenigstens die Umstellung nicht so schwer.“

Zumindest aber wird die Zeit, in der der Posten des hauptamtlichen Jesinger Ortsvorstehers vakant ist, insofern schwer, als dass sie ziemlich lang wird: Denn noch hat Christopher Flik sein Studium an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg nicht abgeschlossen. Das wird erst Ende August der Fall sein. Aber auch die Wochen und Monate bis zum Dienstantritt Christopher Fliks werden die ehrenamtlichen Stellvertreter Reinhold Ambacher und Marianne Gmelin noch zu überbrücken wissen.

Eigentlich hätte ein Nachfolger für Christopher Grampes schon längst im neu gebauten Jesinger Rathaus seine Arbeit aufgenommen haben sollen. Allerdings hatte der Gemeinderat im November die Wahl, die der Ortschaftsrat getroffen hatte, nicht gebilligt: Der damalige Kandidat hatte die erforderliche absolute Mehrheit im ersten Wahlgang des Gemeinderats verfehlt und war noch vor einem möglichen zweiten Wahlgang im Folgemonat zurückgetreten.

Eine Konsequenz haben Stadt- und Ortschaftsverwaltung aus diesem Fall jetzt gezogen: Die Wahl im Ortschaftsrat erfolgte nicht mehr im Rahmen einer großen öffentlichen Sitzung. Die Wahl im Gemeinderat, die ja letztlich entscheidend ist, war nun der „richtige“, offizielle und öffentliche Termin.

Christopher Flik stellte sich im Gemeinderat kurz vor: Er ist 23 Jahre alt, wohnhaft in Aidlingen bei Böblingen und hat nach dem Realschulabschluss eine Ausbildung für den mittleren Dienst beim Landratsamt Böblingen absolviert. Nach dieser Ausbildung war er zwei Jahre lang beim Amt für Jugend und Bildung im Böblinger Landratsamt tätig und hat sich seinerseits nebenher weitergebildet: An einer Abendschule hat er die Fachhochschulreife erworben und anschließend sein Verwaltungsstudium in Ludwigsburg aufgenommen – im Studiengang allgemeine Finanzwirtschaft.

In Jesingen hat er sich im Vorfeld seiner Bewerbung genau umgeschaut. Wichtige Aufgaben seien bereits erledigt – beispielsweise die Ortskernsanierung oder auch der Neubau des Rathauses. Auch die Bedingungen für die kommunale Wirtschaft seien in Jesingen hervorragend, was die Infrastruktur bei der Breitbandversorgung, beim Straßenverkehr oder auch beim ÖPNV betrifft. Zwei aktuelle Dinge, die Christopher Flik in Jesingen angehen möchte, sind zum einen ein besserer Zugang zum mobilen Internet und zum anderen eine Möglichkeit, Elektroautos aufladen zu können – irgendwo im Ortskern rund um Rathaus, Kirche, Mühle und Friedhof.

Seine künftige Aufgabe in Jesingen stellt für den 23-Jährigen nicht nur eine „große Herausforderung“ dar. Er sieht darin auch „eine Chance, um mich persönlich weiterzuentwickeln“. Um das zu verdeutlichen, stellte er in Aussicht, bis zum Dienstantritt auch seinen Lebensmittelpunkt von Aidlingen nach Jesingen zu verlagern.

Die fehlende berufliche Erfahrung in der Kommunalverwaltung wird er sich sicher ebenso rasch aneignen. Einen kleinen Fauxpas jedenfalls hat er bei seiner Vorstellung im Gemeinderat schnell wieder korrigiert. Er hatte der Arbeit in einer Kommune eine gewisse „Hemdsärmeligkeit“ bescheinigt. Auf kritische Nachfragen sagte er dann aber: „Gemeint habe ich damit, dass man hier die Ärmel hochkrempeln, etwas anpacken und Entscheidungen treffen kann.“

Eine weitere kritische Nachfrage betraf die berufliche Erfahrung bei der Personalführung, die aufgrund seines jugendlichen Alters und seines bisherigen Werdegangs ebenfalls noch nicht im Lebenslauf auftauchen kann. Auch in diesem Fall antwortete Christopher Flik souverän: „An der Hochschule werden wir für Leitungsfunktionen ausgebildet.“

Und mit der lokalen Politik vor Ort hat er sich ebenfalls schon auseinandergesetzt. Zu möglichen Interessenskonflikten zwischen Stadt und Teilort nannte er einen konkreten Fall – nämlich die Frage, ob auf dem Festplatz hinter der Gemeindehalle zwei oder vier Gebäude entstehen sollen für die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen: „In erster Linie geht es da ja um einen Bebauungsplan und noch nicht um Baugenehmigungen.“ Demnach könnten auf jeden Fall einmal zwei längsgerichtete Gebäude entstehen. Und die Möglichkeit für zwei weitere Gebäude sei zumindest gegeben – „falls Bedarf dafür vorhanden sein sollte“. Auch mit dieser Aussage stellte er also eine seiner Stärken unter Beweis: „dass ich sehr ruhig und überlegt handle“.

Bleibt nachzutragen, dass Christopher Flik außer dem Ortschaftsrat auch den Gemeinderat überzeugen konnte: Gewählt wurde er mit absoluter Mehrheit im ersten Wahlgang.

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