Kirchheim

50 Pfennig kamen in die Vereinskasse

Jubiläum Der Landfrauenverein Kirchheim feiert sein 50-jähriges Bestehen. So bescheiden der Anfang war – das Bildungsprogramm setzte Maßstäbe. Von Iris Häfner

50 Jahre Landfrauenverein Kirchheim -  ÖtlingenEhrungen
50 Jahre Landfrauenverein Kirchheim - ÖtlingenEhrungen

Fröhliche Frauenstimmen sind schon an der offenen Eingangstür zum Rössle in Ötlingen zu hören. An den Tischen in der Gaststube sitzen gut gelaunte Gäste, denn schließlich gibt es was zu feiern: 50 Jahre Landfrauenverein Kirchheim. Sieglinde Müller begrüßt die Damenrunde. Das Vorsitzendenteam besteht aus drei Mitgliedern. Neben Sieglinde Müller ergänzen Rose Hiller und Doris Weigele das Trio. Mutter und Tante von Sieglinde Müller waren Gründungsmitglieder, sie selbst trat dem Verein 1978 bei. „Ihr habt mich toll aufgenommen - vielleicht lag‘s aber auch am Mariele“, sagt sie mit einem Augenzwinkern in Anspielung auf ihre Mutter.

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„In all den Jahren habe ich viel gelernt, gesehen und erlebt“, erklärt sie und erinnert an so manchen Ausflug oder an die Lehrfahrten. Einer führte zur Firma Ritter in Waldenbuch. Praktisch, wie die Landfrauen nun einmal sind, nahm eine von ihnen ausgediente Schokosäcke zum Schutz für ihre frühgeborenen Kälbchen mit. „Ein bisschen genießen konnten wir die Ausflüge schon, die dadurch liegen gebliebene Arbeit haben wir einfach nachgeholt“, erzählt Sieglinde Müller.

„Was Gretel Schmelcher mit der Gründung des Vereins auf die Beine gestellt hat - das war schon eine Leistung“, zollt Sieglinde Müller, die ihr Amt aus privaten Gründen aufgibt, ihrer Vorgängerin Respekt. „Sie war und ist stets eine wichtige Ansprechpartnerin.“ Auch Marie-Luise Linckh, Präsidentin des Landfrauenverbands Württemberg-Baden, lobt in ihrem Glückwunschschreiben das Wirken der langjährigen Vorsitzenden Gretel Schmelcher. Sie habe Maßstäbe gesetzt und vorbildliche Arbeit geleistet, sowohl was die Inhalte als auch die Gestaltung der vielseitigen Jahresprogramme anbelangt.

Die so Gepriesene gibt einen kurzen Überblick über die Anfänge des Vereins. 32 Frauen im Altkreis Nürtingen waren dem Aufruf von Gretel Schmelcher gefolgt und gründeten in der damaligen Landwirtschaftsschule in Kirchheim den Kreisverband. Noch im selben Jahr entstand der Kirchheimer Ortsverein. Die Abrechnung der Mitgliedsbeiträge vom 14. Dezember 1967 hatte sie dabei. Acht Mark betrug der Jahresbeitrag, bezahlen mussten die Frauen jedoch nur vier Mark, da der Verein kein volles Jahr bestand. „Drei Mark davon gingen an den Landesverband, 50 Pfennig an den Kreis und 50 Pfennig in die Vereinskasse - da konnten wir keine großen Sprünge machen“, verdeutlicht Gretel Schmelcher den bescheidenen Beginn.

Die ersten Jahre schrieb sie das Winterprogramm auf der Schreibmaschine. Als Kopien kamen sie dann bei den Mitgliedern an. Ab 1979 druckte ihre Tochter das Werk. Es gibt wohl kaum ein Thema, das nicht bei den Landfrauen in einem Vortrag seinen Niederschlag fand: Kunst, Geschichte, Gesundheit, Gesellschaft und vieles mehr, dazu Praktisches wie Koch- oder Bastelabende. Aber auch Fasching wurde gefeiert, und am Abschlussabend durften sogar die Männer mitkommen. „Der Jahresausflug war für die Frauen ein kleiner Urlaub, bei dem sie sich erholen konnten. Nicht selten war es der einzige Tag im Jahr, an dem sie fort waren“, sagt die einstige Vorsitzende. Später kamen die Theaterfahrten nach Ulm hinzu, was für manche Frauen Anlass für ein - oft selbst genähtes - langes Kleid war.

Täglicher Bauernstammtisch

Zu den Gratulanten gehören auch Monika Deyle, Vorsitzende des Kreislandfrauenverbands, und Hermann Kik, Ortsvorsteher von Ötlingen. Nach der Schließung des Landwirtschaftsamts vor rund 40 Jahren fanden die Landfrauen im Haus der Vereine in Ötlingen eine neue Heimat. Quasi als Hausherr informiert Hermann Kik kurz über den Teilort, der sich vom Bauerndorf zum einwohnerstarken Ortsteil wandelte. Einst fand im Rössle täglich der Bauernstammtisch statt. „Wir haben deshalb nie einen Maschinenring gebraucht. Die Dinge wurden hier geregelt“, erklärt Herman Kik.

Musikalisch eröffnet wurde der Festabend, den Rose Hiller moderierte, von der Klarinettengruppe der Musikschule Notzingen. Später sorgte Voralbkomödiant Thomas Schwarz für Lachtränen. Zunächst klärte er als Arzt über das eine oder andere Zipperlein auf, um dann in der zweiten Runde als Hermine Hägele, die über Männer, Freundinnen und Gott und die Welt herzieht, zu glänzen.

Zahlen: 25 000.

In gemütlicher Runde feierten die Landfrauen ihr Jubiläum.Fotos: Jean-Luc Jacques
In gemütlicher Runde feierten die Landfrauen ihr Jubiläum.Fotos: Jean-Luc Jacques