Kirchheim

6000 Jahre auf engstem Raum vereint

Ausstellung Landesamt für Denkmalpflege und Städtisches Museum Kirchheim präsentieren gemeinsam im Kornhaus die Grabungsfunde vom Hegelesberg aus den Jahren 2014 und 2015. Von Andreas Volz

Jörg Bofinger zeigt im Kornhaus die Keltenfunde, die eines Tages als Dauerleihgabe nach Kirchheim zurückkehren könnten.Foto: Car
Jörg Bofinger zeigt im Kornhaus die Keltenfunde, die eines Tages als Dauerleihgabe nach Kirchheim zurückkehren könnten.Foto: Carsten Riedl

Edel ist sie, die Inszenierung der Schmuckstücke vom Hegelesberg im Kirchheimer Kornhaus - auch wenn man ihnen nicht direkt den roten Teppich ausgelegt hat. Trotzdem sind die grünen Fließen des Fußbodens unter einem Teppich verschwunden, in diesem Fall unter einem schwarzen. Die Ausstellungswände sind in Bordeauxrot gehalten. Das Zusammenspiel der beiden Farben und der gedämpften Beleuchtung rückt das „Keltengold“ ins rechte Licht.

Dabei geht es in der Ausstellung nicht nur ums Keltengold, sondern auch ums Steinzeitdorf. Was beides miteinander verbindet, ist der Raum: Steinzeitsiedler und Kelten waren im heutigen Kirchheimer Gewerbegebiet Hegelesberg ansässig. Zeitlich dagegen trennt die Neolithiker von den Kelten eine doppelt so lange Spanne wie die Kelten von den Kirchheimern des Jahres 2018.

„Wir befinden uns in der ersten Hälfte des 6. Jahrtausends vor Christus“, sagt Dr. Jörg Bofinger vom Landesamt für Denkmalpflege bei der Vorabbesichtigung der Ausstellung. Das klingt ein wenig nach Asterix, trifft es aber zeitlich überhaupt nicht: Um 5800 oder 5700 gab es am Hegelesberg mindestens drei jungsteinzeitliche Gehöftdörfer, die sich zeitlich teils überlappten, teils folgten. Vorsichtig schätzt Jörg Bofinger, dass dort 100 bis 200 Menschen lebten.

Am wichtigsten sind neben den Pfostenlöchern der stattlichen Langhäuser die Abfallgruben, die Bofinger als „unser archäologisches Archiv aus bandkeramischer Zeit“ bezeichnet. Ein zusammengesetztes Vorratsgefäß ist in der Ausstellung ebenso zu sehen wie das seltene Fundstück eines Pfeilschaftglätters: Ein Sandstein mit einer Rille diente dazu, das Holz eines Pfeils zu glätten, um die Flugeigenschaften zu verbessern.

Auch aus der Keltenzeit gibt es einen besonders seltenen Fund, sogar einen bislang einmaligen für Süddeutschland: Radanhänger (auf dem Foto zum unteren Artikel in der Mitte zu sehen) waren seither nur aus dem französischen Jura oder aus dem Elsass bekannt.

Zugeordnet wird der Schmuck einer Frau, die um 575 vor Christus bestattet worden war. Verglichen wird die „Dame vom Hegelesberg“ mit zwei deutlich jüngeren „Kolleginnen“: den „Damen“ von Esslingen-Sirnau und von Ditzingen-Schöckingen. Beide werden auf die Zeit um 500 datiert, beide waren ungefähr 20 Jahre alt.

Was gibt es noch? Funde einer spätkeltischen Siedlung aus dem 2. oder 1. vorchristlichen Jahrhundert. Das passt dann sogar zu Asterix, denn diese Kirchheimer Kelten waren „Zeitgenossen“ des fiktiven gallischen Kriegers.

Begleitprogramm

Die Ausstellung „Steinzeitdorf und Keltengold“ ist vom morgigen Samstag bis Sonntag, 15. Juli, im Kirchheimer Kornhaus zu sehen. Zum Begleitprogramm gehören öffentliche Führungen (29.4., 20. + 21.5., 3. + 24.6.), Abendführungen (18.5. + 14.6.), Workshops für Kinder (29. + 30.5.) und Erwachsene (1.6.) sowie zwei Vorträge von Dr. Jörg Bofinger (21.6.) und Rainer Laskowski (12.7.).vol

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