Kirchheim

Ab jetzt nur noch Alltag​

Umzug Gestern sind 109 Psychiatrie-Patienten vom alten Standort Nürtingen in den Neubau nach Kirchheim gewechselt. Was mit dem Umbau der Kliniklandschaft 2003 begann, ist jetzt beendet. Von Bernd Köble

Einzug ins neue Gebäude: Bevor gestern früh die ersten Patienten in Kirchheim landeten, hieß es anpacken.Foto: Carsten Riedl
Einzug ins neue Gebäude: Bevor gestern früh die ersten Patienten in Kirchheim landeten, hieß es anpacken.Foto: Carsten Riedl

Nur das Schild neben der Tür verrät, dass hier der Chef residiert. Drinnen im Raum herrscht gähnende Leere. Kein Tisch, kein Stuhl, kein Bild an der Wand. „Ärzte sollen bei Patienten sein und nicht im Büro,“ flachst Norbert Nadler. Der hoch aufgeschossene Klinikleiter hat nicht nur dank seiner Größe den Überblick. Seit drei Monaten bereiten sich er und sein Team auf diesen Tag vor. Dass Zeit für Scherze bleibt, zeigt, dass es geordnet zugeht. Er weiß, welcher Handgriff heute wo erfolgt. Deshalb können ihn die nackten Wände im Büro von Psychiatrie-Chefarzt Professor Christian Jacob auch wenig schrecken. Die Büros sind als Letztes dran. Heute geht es um die Patienten.

Nach der Einweihung des 18 Millionen Euro teuren Psychiatrie-Neubaus in Kirchheim vor knapp fünf Wochen beginnt mit dem heutigen Datum der Alltag in der Klinik. Seit 7.45 Uhr heute früh sind die Physiotherapeuten am Werk, in den Therapieräumen wird den Tag über gemalt und musiziert. Gestern sah das noch anders aus: 30 Helfer, mehr als 70 Lkw-Fahrten und 1 600 Kisten waren nötig, damit der Umzug von der alten Psychiatrie am Nürtinger Neckarufer gestern reibungslos über die Bühne ging. Dazu Berge von Patientenakten, die aus Datenschutzgründen in verschlossenen Rollcontainern transportiert werden müssen. Etwa ein Drittel des Mobiliars im neuen Haus stammt aus Nürtingen, darunter 124 Betten, die erst vor wenigen Jahren angeschafft wurden.

Gestern um 10 Uhr hatten die ersten der 109 Patienten einen der Busse in Nürtingen bestiegen. Eine knappe Stunde später waren zwei der sechs neuen Stationen in Kirchheim belegt. Am frühen Nachmittag, nachdem die erste Mittagsmahlzeit eingenommen war, hieß es: alle da.

Aufatmen auch bei Klinikleiter Norbert Nadler. Der 53 -Jährige hat Erfahrung mit Tagen wie diesen. Im Herbst 2011 wechselte die somatische Abteilung von Nürtingen hierher, im November 2014 dann der Einzug der Psychiatrie aus Plochingen. Diesmal war der Zeitdruck groß. Noch am Sonntag strömten am Tag der offenen Tür Besucher durch die neuen Räume. Danach musste alles ganz schnell gehen. Reinigungskräfte, Hausmeister und Techniker arbeiteten unter Hochdruck, um den Terminplan nicht zu gefährden.

Es ist der finale Akt bei der Neuausrichtung der klinischen Versorgung im Kreis, die Kirchheim mit insgesamt 435 Betten nun zum größten von drei Häusern macht - und damit auch erste Probleme schafft: Parkplatznot. Für das Krankenhaus mit angegliederten Arztpraxen, Notfall-Ambulanz und Weiterbildungs-Akademie reichen die vorhandenen 490 Stellplätze bei Weitem nicht aus. Durch den Umzug sind 230 neue Mitarbeiter aus Nürtingen hinzugekommen. Den Bedarf an Stellplätzen schätzt die Klinikverwaltung derzeit auf 800. Auf dem Nachbargrundstück soll ein Parkhaus entstehen, doch das steckt noch in der Planungsphase, nachdem Gemeinderat und Anwohner uneins sind über die Höhe des künftigen Gebäudes. Landrat Heinz Eininger konnte sich bei der Einweihung des Psychiatrie-Neubaus im Januar deshalb einen Seitenhieb in Richtung Kirchheims Baubürgermeister Günter Riemer nicht verkneifen: „Wir hätten das Parkhaus heute sehr gerne mit eingeweiht.“

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