Kirchheim

Ab zwei Fahrten fängt das Sparen an

Nahverkehr Kirchheim und Dettingen haben zum 1. Januar gemeinsam das Stadtticket eingeführt. Für drei Euro pro Tag können Fahrgäste jetzt in beiden Gemeinden unbegrenzt den Bus nutzen. Von Thomas Zapp

Glauben an den Erfolg des Tages-Tickets: Horst Stammler, Angelika Matt-Heidecker und Rainer Haußmann. Foto: Jean-Luc Jacques
Glauben an den Erfolg des Tages-Tickets: Horst Stammler, Angelika Matt-Heidecker und Rainer Haußmann. Foto: Jean-Luc Jacques

Schon bei der zweiten Fahrt lohnt es sich: Das neue Stadt-Ticket für Kirchheim und die Nachbargemeinde Dettingen kostet drei Euro und erlaubt einen Tag lang und zusätzlich bis 7 Uhr morgens am nächsten Tag beliebige viele Fahrten innerhalb der beide Kommunen. Da man für das Einzelticket 2,50 Euro zahlt, macht sich die Tageskarte schon bei der zweiten Fahrt bezahlt: zwei Euro gespart und mit jeder Fahrt wächst die Ersparnis. Gruppen bis maximal fünf Personen können noch mehr sparen: Sie zahlen für ihr Tagesticket sechs Euro.

Die Kosten tragen die beteiligten Kommunen Kirchheim und Dettingen. Die Tecktstadt legt dem Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) für den entgangenen Umsatz in Kirchheim mit den Ortsteilen Jesingen, Lindorf, Nabern und Ötlingen insgesamt 101 000 Euro jährlich auf den Tisch, Dettingen ist mit 10 000 Euro pro Jahr dabei. Für beide Gemeindechefs war die Beteiligung eine Selbstverständlichkeit. „Wenn man die Verkehrswende möchte, muss man mit dem Öffentlichen Personennahverkehr anfangen“, sagt Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker. Der Beschluss sei im Stadtrat einstimmig gefallen.

„Wir wollen ein Zeichen setzen“

In dasselbe Horn stößt auch Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann. „Wir wollten ein Zeichen setzen“, sagt er und „ein Vorbild für andere sein.“ Dass ein Alleingang von Kirchheim keinen Sinn ergeben hätte, sah die Nachbargemeinde sofort ein. Denn die Busverbindungen von Kirchheim gehen zum Teil über die Gemeindegrenzen hinaus. Für drei Jahre haben sich Kirchheim und Dettingen nun verpflichtet, die jährlichen Zahlungen zu leisten. „Die Erfahrung anderer Städte zeigt, dass es drei Jahre braucht, damit sich die Maßnahmen richtig bemerkbar machen“, sagt VVS-Geschäftsführer Horst Stammler und nennt das Beispiel Ludwigsburg. Dort sei das Ticket im August 2018 eingeführt worden. „In nur 15 Monaten haben wir dort schon 500 000 Tickets verkauft. Und wir haben immer noch steigende Zahlen“, sagt er. „Ich bin mir sicher, dass wir auch in Kirchheim und Dettingen gute Erfahrungen machen werden.“ Neben Kirchheim und Dettingen ist das Stadt-Ticket im Januar in 14 weiteren Kommunen im VVS eingeführt worden. Ab dem 1. April bieten im Landkreis Esslingen auch Ostfildern, Weilheim, Neidlingen und Wendlingen ihren Fahrgästen ein Stadt-Ticket an.

Die Gemeindechefs würden sich noch weitergehende Maßnahmen wünschen wie Gratis-Tickets an den Wochenenden, damit noch mehr Menschen die Autos stehen lassen. Demgegenüber zeigt sich Horst Stammler aber skeptisch: „Man muss sehen, dass 80 Prozent unserer Kunden Stammkunden sind, bei denen kommen solche Aktionen nicht so gut an.“ Die würden sich dann fragen, warum sie als Besitzer einer Dauerkarte nicht von solchen Aktionen profitieren.

Eins ist aber allen Beteiligten klar: Die Leute vermehrt in die „Öffis“ und weg vom Auto zu bekommen, ist nur ein erster Schritt von vielen Maßnahmen für den Klimaschutz. „Wir brauchen generell ein anderes Denken“, glaubt Angelika Matt-Heidecker. Dazu würde auch der Verzicht gehören, aber der falle den Leuten schwer. Sie wundere sich zum Beispiel, dass Deutschland immer noch kein Tempo-Limit auf den Autobahnen hat. „Man muss doch nur auf seinen Tank schauen und sehen, dass man deutlich weniger verbraucht, wenn man nicht rast“, sagt sie.

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