Kirchheim

Agentin wider Willen rettet Adenauer

Krimi Bestseller-Autorin Brigitte Glaser stellt im Kirchheimer „Leseladen“ ihr neues Erfolgsbuch vor.

Kirchheim. Sie schaut sich um im „Leseladen“. Vielleicht überlegt sie, in welches Regal sie ihr aktuelles Buch „Bühlerhöhe“ stellen könnte. „Eigentlich passt es in keine Schublade“, sagt die erfolgreiche Krimiautorin Brigitte Glaser lachend und findet, das Buch ist ein „Genre-Bastard“. Aufhänger ist ein geplantes Attentat auf Bundeskanzler Konrad Adenauer.

Anzeige

„Um ihn brauchen Sie sich natürlich keine Sorgen zu machen“, sagt sie in der Lesung in Kirchheim. Jeder weiß ja, dass Adenauer mit über 90 Jahren friedlich in seinem Bett verstorben ist. Das Attentat hat sie frei erfunden, die anderen Hauptpersonen auch, die Rahmenbedingungen sind echt und detailgetreu recherchiert. Das Buch spielt im Jahr 1952, also immer noch in der Nachkriegszeit. „Da gab es noch kein Wirtschaftswunder, Rock ’n‘ Roll oder Käse-Igel.“ Die junge Bundesrepublik Deutschland war noch voll mit der Aufarbeitung des sogenannten „Dritten Reiches“ und des Zweiten Weltkriegs beschäftigt, die Menschen dagegen verdrängten das Grauenhafte, das sie erlebt hatten.

Autorin Brigitte Glaser sitzt mitten im Publikum und erzählt aus ihrem neuen Bestseller. Im israelischen Kibbuz Omarim lebt die in Deutschland geborene Rosa Silbermann. Die Jüdin ist vor den Nazis nach Israel geflohen und hat im ersten arabisch-israelischen Krieg gekämpft. Der israelische Geheimdienst schickt sie nun in den Schwarzwald, um dem Bundeskanzler das Leben zu retten. Adenauer will Wiedergutmachungen an die Opfer nationalsozialistischer Gräueltaten zahlen. Das gefällt einigen Untergrundorganisationen gar nicht, weil sie sagen: „So leicht darf sich das junge Deutschland nicht von seinen Verbrechen freikaufen!“ Auf der „Bühlerhöhe“, einem Schwarzwald-Hotel mit Weltruf, soll ein Attentat auf den Kanzler verübt werden. Kann die „Agentin wider Willen“ das verhindern? Sie würde alles für Israel tun, sie spricht deutsch und sie kennt die Gegend.

Drei unterschiedliche Frauen treffen in Brigitte Glasers Buch aufeinander. Sophie Reisacher führt im Hotel „Bühlerhöhe“ ein striktes Regiment. Rosa ist ihr von Anfang an ein Dorn im Auge. Persönlich sucht die Elsässerin aber vor allem einen Ehemann, eine „gute Partie“. Das Frauentrio vervollständigt Agnes Rheinschmitt, die in einem Hotel arbeitet. Alle drei kämpfen auch mit ihrer Vergangenheit: Rosa mit dem Verlust ihrer Familie in Nazi-Deutschland, Sophie hat ihre große Liebe zu einem französischen Offizier noch nicht abgehakt, und Agnes wurde von einem marokkanischen Soldaten vergewaltigt. Und dann passiert etwas Furchtbares.

Brigitte Glaser nippt nebenbei an heißem Tee, liest kurze Passagen aus ihrem Werk. Und erzählt den Besuchern, wie so ein Roman eigentlich entsteht. In diesem Fall war sie auf einer anderen Recherchereise an der Schwarzwaldhochstraße unterwegs. Die Gegend und vor allem das Schlosshotel faszinierten sie. Auf der „Bühlerhöhe“ hatte Kanzler Adenauer ab 1953 tatsächlich mehrere Urlaube und Frischzellenkuren gemacht.

Brigitte Glaser ist bekannt geworden mit ihrer Katharina-Schweitzer-Krimireihe. Schweitzer ist eine badische Köchin, die unfreiwillig über Leichen stolpert. Glaser wollte zeigen, dass sie auch anders kann: „Man muss sich ja auch weiterentwickeln.“

Allein die Recherche hat sie ein Jahr Zeit gekostet. „Bei diesem hochempfindlichen deutsch-israelischen Verhältnis mussten einfach die Fakten stimmen.“ Dabei hat sie erstaunliche Erkenntnisse gewonnen, allein schon die Tatsache, dass es einmal ein Bundesentschädigungsgesetz gab oder in Israel schon in den 30er-Jahren Kibbuze entstanden. „Und dann entdeckt man noch dieses und jenes, irgendwann hat man zu viel Material.“ Dann heißt es, sich wieder auf die Geschichte zu konzentrieren: „Ich wollte ja kein Sachbuch schreiben, sondern die Geschichte der drei Frauen erzählen.“

Ein weiterer historisch angehauchter Roman entsteht gerade in ihrem Kopf: „Das Buch wird vermutlich in den 70er-Jahren spielen und etwas mit Willy Brandt zu tun haben“. Mehr verrät die Autorin noch nicht.Andrea Barner