Kirchheim

Amtsgericht: Willkommen und Abschied

Feierstunde Nach einem halben Jahr der Vakanz folgt Stefan Kahl als neuer Direktor des Kirchheimer Amtsgerichts auf Dr. Walter Sigel, der im Dezember in den Ruhestand gegangen war. Von Andreas Volz

Walter Sigel hält seine Abschiedsrede als Direktor des Kirchheimer Amtsgerichts.Foto: Carsten Riedl
Walter Sigel hält seine Abschiedsrede als Direktor des Kirchheimer Amtsgerichts. Foto: Carsten Riedl

Im Dezember hatte Dr. Walter Sigel seinen Ruhestand angetreten. Aber erst im Mai ist ihm Stefan Kahl nachgefolgt. Gestern nun kam es offiziell zur Verabschiedung des alten und zur Begrüßung des neuen Kirchheimer Amtsgerichtsdirektors. Lob und Anerkennung gab es dabei von allen Seiten - für sämtliche Mitarbeiter des Amtsgerichts.

Für baden-württembergische Verhältnisse habe Kirchheim ein mittelgroßes Amtsgericht, nach bundesdeutschen Maßstäben dagegen eher ein kleines, stellte der Kirchheimer Richter Dr. Florian Prill zur Begrüßung fest und bezeichnete es als Vorteil, „wenn ein Gericht und seine Mitarbeiter in der Stadt und im Umland fest verwurzelt sind“. Durch die Neubesetzung der Direktorenstelle komme das Amtsgericht Kirchheim nun hoffentlich auch personell in ruhigere Fahrwasser.

Cornelia Horz, die Präsidentin des Landgerichts Stuttgart, ging vor allem auf den beruflichen Werdegang der beiden Direktoren ein. Nach ersten Tätigkeiten als Staatsanwalt und Richter war Walter Sigel 1982 Referatsleiter der Abteilung Strafvollzug im Stuttgarter Justizministerium geworden. Sozialtherapie, Arbeitswesen und der medizinische Bereich seien ihm dabei besonders am Herzen gelegen. Außerdem habe er im gesamten Justizvollzugsdienst die Umstellung der EDV organisiert. „Eigentlich kommt Ihr Ruhestand jetzt zu früh, angesichts der Einführung der elektronischen Akte“, meinte Cornelia Horz. Auf eigenen Wunsch hin habe Walter Sigel ab 1997 wieder als Richter gearbeitet, zunächst als stellvertretender Direktor des Amtsgerichts Göppingen, dann ab September 2001 als Direktor in Kirchheim. Zum Abschied sagte die Landgerichtspräsidentin: „Ihre verlässliche und liebenswürdige Art wird nicht nur mir fehlen, sondern auch den Kollegen im Kreis der Direktoren.“

1988 in Stuttgart angefangen

Stefan Kahl hat seine Laufbahn 1988 am Landgericht Stuttgart begonnen, kam 1990 ans Amtsgericht Bad Cannstatt und 2002 ans Oberlandesgericht Stuttgart. Cornelia Horz zeigte sich ihm gegenüber zuversichtlich, dass das Amtsgericht Kirchheim in absehbarer Zeit personell wieder vollständig besetzt sein werde. Allen Mitarbeitern dankte sie für die erhebliche Mehrarbeit während der Vakanz.

Namens der Kirchheimer Anwaltschaft dankte Jutta Braun-Ott dem scheidenden Direktor für dessen juristische Kultiviertheit. Zu Stefan Kahl sagte sie: „Wir freuen uns auf eine gute und kollegiale Zusammenarbeit mit Ihnen.“

Walter Sigel selbst ging zunächst auf die musikalische Begleitung durch Evelyn und Michael Krimmer ein und sagte: „An meinem letzten Arbeitstag im Ministerium lief morgens im Radio ,Time to say goodbye‘. An meinem letzten Tag am Amtsgericht Kirchheim hörte ich: ,Heute beginnt der Rest deines Lebens‘.“ Sein eigenes Resümee lautete: „Ich habe nichts bereut.“ So habe er es auch nicht bereut, als dreifacher Familienvater aus dem Ministeriumsdienst auszuscheiden, um näher an seinem Wohnort arbeiten zu können.

Ein weiteres Resümee entnahm er der Inschrift eines Gipfelkreuzes in Osttirol: „Begegnung ist Leben.“ Allen Menschen sei er mit Neugier und persönlichem Interesse begegnet und habe stets festgestellt: „So kommen Respekt und Akzeptanz am ehesten zurück.“ Seinen Kollegen dankte er für die Offenheit und Loyalität, für Verlässlichkeit und engagierte Mitarbeit: „Sie alle haben dazu beigetragen, dass das Amtsgericht Kirchheim gut dasteht. Es war eine schöne gemeinsame Zeit.“

Stefan Kahl betonte ebenfalls den guten Ruf des Gerichts und konstatierte, dass hier „sehr gutes Personal“ vorhanden ist. Eine seiner vorrangigen Aufgaben sieht er darin, dafür zu sorgen, dass die knappe Personallage wieder besser wird. Notariatsreform und die elektronische Akte sind weitere Aufgaben, die er als Direktor umzusetzen hat. Von beiden Schritten erwartet er heute schon „nicht absehbare Veränderungen“.

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