Kirchheim

Angehende Retter zeigen ihr Können

Übung Brand im Kindergarten: Die Kirchheimer Jugendfeuerwehrleute proben in Lindorf den Ernstfall.

Nicht einfach: ein Einsatz im Kindergarten. Foto: Daniela Haußmann
Nicht einfach: ein Einsatz im Kindergarten. Foto: Daniela Haußmann

Kirchheim. Zu einem Brand im Stadtteil Lindorf rückte die Gesamtjugendfeuerwehr Kirchheim am Wochenende aus. Im Heizraum eines Kindergartens war durch einen technischen Defekt ein Feuer ausgebrochen. Als die etwa 40 Nachwuchskräfte der Abteilungen Stadtmitte, Ötlingen, Lindorf, Jesingen und Nabern um kurz nach 15 Uhr in den Eichwiesen 18 eintrafen, waren rund 50 Schaulustige vor Ort. Ohne zu zögern sprangen die angehenden Floriansjünger aus ihren Einsatzfahrzeugen. In Windeseile rollten sie die Schläuche aus und schlossen sie an die Verteiler an. Zeitgleich rüsteten sich die ersten Atemschutzgeräteträger für den Innenangriff.

Kaum hatten sich Gregorius (10) und Nico (17) ihre Pressluftatmer über die Schultern geworfen, drangen sie auch schon in das Gebäude vor. Vor lauter Qualm konnten die beiden Rettungskräfte kaum die Hand vor Augen sehen. Es dauerte nicht lange, bis Nico und Gregorius den ersten Verletzten aus den Flammen befreit hatten und den Helfern des Jugendrotkreuzes Ortsverein Kirchheim übergaben. Die Nachwuchssanitäter wussten genau was zu tun ist. Vom Scheitel bis zur Sohle tasteten sie den Körper der Geretteten ab, um Verletzungen zu lokalisieren oder Veränderungen, wie zum Beispiel Gefühls- oder Bewegungsstörungen, festzustellen. Gleichzeitig konnten die Mitglieder des Jugendrotkreuz üben, wie Menschen zu betreuen sind, die unter psychischem Stress stehen.

Ein Kindergarten ist laut Fabian Carucci ein Objekt, das Rettungskräften nicht nur bei einem Brand einiges abverlangt. „Auch im Übungsfall gilt es eine große Bandbreite an Know-how abzurufen“, wie der Jugendfeuerwehrwart der Freiwilligen Feuerwehr Kirchheim berichtet. Einerseits, weil sich in einer derartigen Einrichtung viele Menschen befinden, die es zu evakuieren gilt, andererseits, weil Kinder dazu neigen, sich in Gefahrensituationen zu verstecken. Das einsatztaktische Vorgehen unterscheidet sich in keiner Weise von dem der Erwachsenen, schließlich soll der Nachwuchs schrittweise an die Aufgaben herangeführt werden.

Unterdessen bauten einige Kameraden an den Flanken des Kindergartens zwei Riegelstellungen auf. Mit dem Wasser aus ihren Strahlrohren erzeugten die Feuerwehrleute einen Hydrovorhang, der die Wärmeabstrahlung vom brennenden Gebäude reduzieren und einen möglichen Funkenflug unterbinden sollte. „So wird verhindert, dass ein Feuer unter Umständen auf die angrenzende Bebauung übergreift“, erklärte Fabian Carucci.

Sind bei einem richtigen Brand die Flure voller Qualm, bleiben die Kindergartenkinder und ihre Erzieher so lange an ihrem Aufenthaltsort, bis die Feuerwehr eintrifft. „Alles andere wäre kontraproduktiv, weil die Gefahr einer Rauchgasvergiftung viel zu groß ist“, so der Jugendfeuerwehrwart. „Im Brandfall würden wir die Eingeschlossenen über eine Leiter evakuieren. Dazu werden die Betroffenen mit einem Seil gesichert.“ Isabell Sokolov war von der Übung begeistert. Gefallen hat der 17-Jährigen, die Mitglied bei der Abteilung Stadtmitte ist, dass die Zusammenarbeit reibungslos funktionierte. „Und das, obwohl die fünf Jugendfeuerwehren nie gemeinsam üben“, betonte die Auszubildende. Kirchheims Bürgermeister Günter Riemer zeigte sich von der Schlagkraft begeistert: Auch die jüngsten Rettungskräfte verfügen über einen Ausbildungsstand, der sich sehen lassen kann. Daniela Haußmann

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