Kirchheim

Angeklagter hatte einen „starren Blick“

Gericht Im Prozess um den 19-jährigen Somalier, der in der Medius-Klinik einen Pfleger attackiert hat, sind sich die Zeugen einig.

Kirchheim. Mehrere Zeugen, die vom Stuttgarter Landgericht zu der Messerattacke des aus Somalia stammenden Beschuldigten in der Kirchheimer Klinik befragt wurden, sind sich einig: Der 19-Jährige hatte einen „starren Blick“. Dazu gehören eine Pflegerin der Klinik sowie der Inhaber eines Handy-Ladens, in dem der Angeklagte ausrastete.

Im April hatte der somalische Flüchtling einen Krankenpfleger in der Kirchheimer Medius-Klinik mit einem Messer attackiert. Im Prozess geht es um die Frage, ob der Angeklagte zu einer Haftstrafe verurteilt oder in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird. Die Tat, begangen in der Station 11 der psychiatrischen Fachabteilung des Krankenhauses, soll der Beschuldigte im Zustand einer schweren Psychose begangen haben. Er könnte daher im Sinne des Gesetzes schuldunfähig sein.

Bei der Zeugenbefragung schilderte eine Betreuerin den Messerangriff des 19-Jährigen als überraschend für alle. Man sei an einem Tisch gesessen, plötzlich jedoch wurde der Angeklagte aggressiv und wollte gehen, was wegen der verschlossenen Türe nicht möglich war. Dann habe er wie aus dem Nichts ein Messer - vermutlich aus seinem Ärmel - gezogen und stach es wuchtig auf die Tischplatte.

Beschuldigter reagierte nicht

Die Zeugin berichtete, dass alle Anwesenden erschrocken sind. Sie selbst sei in die Küche geflüchtet und habe dort den Alarmknopf gedrückt. Als dann die Polizei erschien, habe der Somalier plötzlich noch ein zweites Messer in der Hand gehalten. Trotz mehrerer Aufforderungen der Beamten, die Waffen wegzulegen, sei er dem nicht nachgekommen. Einer der Polizeibeamten erläuterte gestern, dass ihm der „starre Blick“ des jungen Somaliers aufgefallen sei. Woher er das zweite Messer hatte, konnte nicht geklärt werden.

Auch der Inhaber eines Handy-Ladens erinnert sich an den Angeklagten. Bei ihm habe er ein Handy gekauft, dieses dann aber wegen Mängel zurückgebracht. Dann sei der Angeklagte wieder gekommen und habe eine aggressive Haltung eingenommen und herumgeschrien. Der Zeuge berichtet ebenfalls von einem „starren Blick“. Auch die Polizisten, die den Beschuldigten aus dem Geschäft führten, erinnern sich an diesen Blick. Der 19-Jährige habe praktisch auf keine Ansprache reagiert, nur vor sich hingeblickt.

Der Angeklagte hingegen schweigt weiterhin. Alle Vorwürfe gegen ihn bestreitet er, beziehungsweise bezeichnet er als „nicht geschehen“. Der Prozess wird am heutigen Dienstag mit den Ausführungen des Gutachters und dann am Mittwoch mit dem Urteil fortgesetzt. Bernd Winckler

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