Kirchheim

Anklagebank statt Monaco

Prozess Ein 46-Jähriger Geschäftsführer soll Millionen aus seinem Unternehmen veruntreut haben.

Gericht
Symbolbild

Kirchheim. Seit knapp vier Wochen sitzt ein 46-jähriger Unternehmer, der vorübergehend in Kirchheim tätig war, auf der Anklagebank im Stuttgarter Landgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, als Geschäftsführer seines Unternehmens eine Summe im Millionenbereich auf die Seite geschafft zu haben.

Die Anklage lautet auf Untreue in einem besonders schweren Fall sowie Bankrott mit Betrug. Als Geschäftsführer eines Unternehmens, das sich mit dem Handel von Fahrzeugen und der Vermietung von Fahrzeugen nach Monaco befasste, soll er bereits im Januar des Jahres 2017 pleite gewesen sein. Trotz dieser Schuldenlast habe er aus seinem Unternehmen häufiger Geld in die privaten Taschen gesteckt. Die Anklage geht von einem Gesamtbetrag von circa 1,1 Millionen Euro aus, wobei der Angeklagte aber bis zu Beginn des laufenden Verfahrens bereits die Hälfte der veruntreuten Summe wieder zurückgezahlt hat.

Geld in eigene Tasche gesteckt

Diese Tatsache wird dem 46-Jährigen zwar im Prozess einen Pluspunkt bringen, allerdings sieht das Gesetz bei Untreue in dieser Schadenshöhe Strafen von bis zu fünf Jahren vor. Dazu kämen weitere fünf Jahre für den Tatbestand des Bankrotts, falls ihm dies nachgewiesen wird. Der Angeklagte habe nämlich gewusst, dass seine finanziellen Mittel erschöpft sind, und dennoch Geldwerte beiseite geschafft, um sie bei einer Insolvenz zu verheimlichen.

Ein von ihm angeblich im Millionenbereich geschädigter Investor ist gestern als Zeuge vernommen worden. Der Mann hatte seiner Aussage nach zwei größere Summen bei dem angeklagten Kirchheimer investiert. Er habe mit ihm zusammen Autoverleih-Geschäfte in Monaco - im Bereich luxuriöser, teurer Sportwagen - im Auge gehabt. Man habe Autos an Kunden zur Anmietung anbieten wollen. Mehrere Fahrzeuge seien darüber hinaus gekauft worden. Dies sei für ihn auch die Sicherheit für die Investition gewesen. Der Zeuge bestätigte allerdings auch, dass er einen Großteil seiner Investitionssumme anschließend erstattet bekam - und zwar durch die Sicherstellung und den Verkauf der Fahrzeuge. Hierbei stimmt ihm der Insolvenzverwalter, der ebenfalls als Zeuge geladen war, zu.

Unübersichtliche Faktenlage

Bis zum Urteil dauert es noch eine Weile: Die Stuttgarter Wirtschaftsrichter haben zur Aufklärung der teilweise unübersichtlichen Details und Inhalte der Vorwürfe weitere Verhandlungen bis Ende Januar des kommenden Jahres angesetzt. Bernd Winckler

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