Kirchheim

Anselm Jopp: Sein letzter Wunsch geht in Erfüllung

Kirche Der streitbare katholische Pfarrer, der seinen Ruhestand in Ötlingen verbracht hat, ist jetzt im Alter von 90 Jahren verstorben. Morgen wird er beerdigt – von einer Frau. Von Manuela Pfann

Nach 50 Jahren war Anselm Jopp in den Ruhestand gegangen und lebte dann in Kirchheim. Foto: Manuela Pfann

Kirchheim/Frickenhausen. Mit seinem letzten Wunsch hat Anselm Jopp nochmals ein deutliches Zeichen gegen klerikale Strukturen und damit gegen eine von geweihten Männern dominierte katholische Kirche gesetzt: Der langjährige Pfarrer der Kirchengemeinde Frickenhausen/Großbettlingen und später der Seelsorgeeinheit Hohenneuffen ist am Montag im Alter von fast 90 Jahren gestorben und hat hinterlassen, dass er nicht von einem Priester beerdigt werden möchte, sondern von einer Frau. 

Für einen katholischen Priester ist das so eigentlich nicht vorgesehen und wahrscheinlich in dieser Form einmalig in der Diözese Rottenburg-Stuttgart und darüber hinaus. Wer Anselm Jopp kennengelernt hat, den verwundert dieser letzte Wunsch allerdings keineswegs. Im Gegenteil, sein Wunsch ist schlicht konsequent und führt zu Ende, womit er 1958 begonnen hatte. Er ist Priester geworden, um in der katholischen Kirche etwas zu verändern. Zeit seines Lebens hat er sich deshalb dafür eingesetzt, dass die Pflicht zum Zölibat abgeschafft wird und dass auch Frauen Zugang zum Priesteramt erhalten. Jopp hat gegen kirchliche Sanktionen gepredigt und wer zu ihm kam, war immer eingeladen, die Eucharistie zu em­pfangen, egal ob er evangelisch oder zum zweiten Mal verheiratet war. Er hat Menschen beerdigt, die aus der Kirche ausgetreten waren und Paaren den Segen zugesprochen, die schon einmal geschieden waren. Seine Maxime dabei war immer: Das eigene Gewissen zählt und nicht starre Vorschriften.

Für die Rechte der Frau gestritten

Dafür hat er sein Leben lang gestritten, hat Protestbriefe nach Rom und Rottenburg geschrieben und sich mit Bischöfen angelegt. Das Resultat: Als Anselm Jopp 2012 nach 50 Jahren Gemeindeleitung „im Täle“ in den Ruhestand ging und nach Ötlingen zog, hatte er zwei Generationen geprägt, die bis heute für eine offene katholische Kirche stehen, zum Beispiel im großen Sommerzeltlager für Kinder und Jugendliche in Oberschwaben oder in den Projekten der Kirchengemeinde in Südamerika.

Am morgigen Dienstag wird er beerdigt. Wenn die Glocken zum Requiem für Anselm Jopp läuten, dann wird sein letzter Wunsch erfüllt werden: Stefanie Neumeister wird zusammen mit dem Dekan des Dekanats Esslingen-Nürtingen, Paul Magino, um 13 Uhr in die Klaus-von-Flüe-Kirche in Frickenhausen einziehen. Begleitet wird sie von Tanja Schöllhammer und Jutta Gluiber: Frauen aus den Teilgemeinden Frickenhausen und Beuren, die wie sie selbst schon viele Jahre in der Gemeinde Wort-Gottes-Feiern leiten.

Ansonsten liegt die Leitung des Gottesdienstes bei der Großbettlingerin Stefanie Neumeister. Sie wurde von Anselm Jopp getauft, ging bei ihm in den Erstkommunionunterricht und war Ministrantin. Und sie ist Religionslehrerin geworden, weil sie genau das vermitteln möchte, was Anselm Jopp vorgelebt hat, nämlich „dass wir alle Kirche sind und jeder dazugehört und wertvoll ist.“ Sie gehört zu jenen, über die Anselm Jopp gesagt hat: „Die Frauen machen das glänzend, sie haben Ideen und sind total fähig. Sie könnten allesamt Priesterinnen sein!“  Jopp hatte Stefanie Neumeister gebeten, ihn zu beerdigen. „Das ist eine große Aufgabe, vor der ich viel Respekt habe“, sagt die 45-Jährige, „aber es ist vor allem eine unglaubliche Wertschätzung, die Pfarrer Jopp uns Frauen in der Gemeinde über seinen Tod hinaus mitgibt.“

Auch im argentinischen Margarita Belén brennen seit Montag Kerzen für Anselm Jopp, und die dortige Gemeinde feiert am Sonntag eine Messe für den verstorbenen Priester. Und: Zeitgleich mit dem Glockengeläut zum Requiem in Frickenhausen werden die Glocken der evangelischen Andreaskirche in Großbettlingen läuten.

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