Kirchheim

Armes Kind

Randnotiz von Antje Dörr über Zappeleltern.

Mit der Konzentrationsfähigkeit steht es in diesen Tagen nicht zum Besten. Nein, die Rede ist nicht von Homeschooling. Bei den Kindern ist alles wunderbar. Wir Eltern haben Mühe, still zu sitzen, uns länger als zwei Minuten auf eine Sache zu konzentrieren oder für fünf Minuten die Finger vom Smartphone zu lassen. Besonders schlimm wird es, wenn das Kind fragt, ob wir mit ihm spielen können. „Nein“ zu sagen wäre grausam, schließlich muss der arme Tropf nun schon seit zwei Monaten ohne seine Freunde auskommen. Also willigen wir ein. Gleichzeitig übermannt uns eine Müdigkeit, die mit Schlafmangel allein nicht zu erklären ist. Dazu Wortfindungsstörungen wie zuletzt beim mündlichen Abitur, gepaart mit großer Fantasielosigkeit. Ständig schweifen die Gedanken ab. Haben wir eigentlich noch Milch im Kühlschrank? Hat der Mann die leere Gemüsekiste schon vors Haus gestellt? Macht der Kindergarten übernächste Woche auf oder nicht? Nicht einmal die Rolle, die wir spielen sollen, können wir uns merken. Sollen wir Feuerwehrmann Sam sein oder Penny? Michel oder Alfred? Das Kind bleibt geduldig, erklärt eins aufs andere Mal die Handlung und quittiert unser armseliges Schauspiel am Ende noch mit aufmunterndem Lob. Oft wird in dieser Krise gesagt, Eltern hätten es schwer. Stimmt. Aber Kind zu sein ist momentan auch kein Zuckerschlecken.


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