Kirchheim

Artenvielfalt fördernInterview

Das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz will das Wildtiermonitoring im Land auf eine breitere Basis stellen. Dr. Jörg Friedmann vom Landesjagdverband Baden-Württemberg erkennt in einer systematischeren Datenerhebung viele Vorteile.

Dr. Jörg Friedmann
Dr. Jörg Friedmann

Herr Friedmann, nicht jeder Jäger bringt Erfahrungen in der qualitativen und quantitativen Forschung mit. Welche Anforderungen ergeben sich damit für das Wildtiermonitoring?

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JÖRG FRIEDMANN: Es muss ein anwendungsorientiertes System etabliert werden, das einfache Instrumente zur Datenerhebung und -erfassung beinhaltet. Dann wird es uns auch gelingen Beobachtungen und Informationen auf einer zuverlässigen, empirisch gesicherten und breiten Basis zu liefern. Die Jäger dürfen nicht überfordert werden. Der Schwerpunkt liegt darauf, ihre Präsenz in der Fläche zu nutzen, um überhaupt Daten gewinnen zu können und diese anschließend auszuwerten, solange das die personellen und finanziellen Ressourcen möglich machen.

Lässt sich die Artenvielfalt auf Basis des Monitorings noch besser und zielgerichteter fördern?

FRIEDMANN: Das ist definitiv der Fall. Wir wissen viel, aber wir sollten es mit statistischem Material belegen können. Auf einer empirischen Grundlage lassen sich bessere Maßnahmen für den Artenschutz und die Biodiversität einleiten. Denn die Daten liefern beispielsweise Erkenntnisse über das zeitliche und räumliche Verhalten von Tieren, ihr Reproduktionsverhalten oder die Anforderungen, die sie an ihren Lebensraum stellen. Das bietet bessere Ansatzpunkte für zielorientiertere Förder- und Schutzmaßnahmen und auch für die jagdliche Praxis.

Also auch mit Blick auf Wanderbewegungen in unserer durch Siedlungen, Schienen oder Straßen zerschnittenen Landschaft?

FRIEDMANN: Durch entsprechende Datenerhebungen wissen wir heute ganz genau, wo Wildtiere schwierige Stellen, wie zum Beispiel eine Straße, überqueren wollen. Diese Stellen werden im Generalwildwegeplan bis auf 100 Meter genau ausgewiesen. Auf dieser Grundlage können Querungshilfen wie Grünbrücken oder Grüntunnel angelegt werden, die dazu beitragen, dass die Straßenmortalität von Wildtieren sinkt und Wildtierlebensräume großflächig miteinander vernetzt werden. So lässt sich die Verbreitung und das Vorkommen von Tierarten, gerade auch von bedrohten Spezies, gezielt fördern. Und nebenbei werden Unfälle vermieden.

Warum kam der Vorstoß im Monitoringbereich nicht schon früher?

FRIEDMANN: Daten wurden im Bereich der Wildtierarten schon immer erhoben, aber eben nicht systematisch. Die technischen Entwicklungen der jüngeren Zeit geben uns erst jetzt ganz neue Instrumente an die Hand, wie zum Beispiel die GPS-Telemetrie oder Datenbanksysteme. Mit diesen neuen und auch gewachsenen Möglichkeiten der systematischen und flächendeckenden Datenerfassung können auch die Jäger ihr umfangreiches Know-how einbringen, das Wissenschaftler in ihrer Arbeit unterstützt.

Foto: Daniela Haußmann