Kirchheim

Auch im Alter noch den Wind in den Haaren spüren

Mobilität Mit der E-Rikscha können Senioren und Menschen mit Behinderung bald zu ihren Kirchheimer Lieblingsplätzen fahren und die Stadt entdecken. Von Melissa Seitz

Lachende Gesichter - und das noch in einer E-Rikscha - wird es bald vielleicht öfters in Kirchheim zu sehen geben. Die Initiator
Lachende Gesichter - und das noch in einer E-Rikscha - wird es bald vielleicht öfters in Kirchheim zu sehen geben. Die Initiatoren Anne-Katrin Stuth und Dieter Hutt sind überzeugt von ihrem Projekt.Fotos: Jean-Luc Jacques/pr

Rikschas kennt man eigentlich nur aus Bollywood-Filmen. Dass sie bald auch in Kirchheim umherfahren, wollen Anne-Katrin Stuth und Dieter Hutt ermöglichen. Die Idee dahinter: Senioren und Personen, die körperlich nicht mehr so mobil sind, mit der Rikscha durch die Stadt und zu ihren Wunschorten in Kirchheim fahren. „Schon vor drei Jahren wollten wir eine Rikscha für Kirchheim,“ sagt die Besuchsdienstleiterin der Heinrich-Sanwald-Stiftung, „Zur Planung kam es dann vor einem Jahr.“

Das „Rikscha Kirchheim“-Projekt ist ein Gemeinschaftsvorhaben von zahlreichen Organisationen aus Kirchheim. „Wir haben uns zusammengetan und überlegt, ob diese Idee etwas für Kirchheim wäre“, erzählt Anne-Katrin Stuth. „Wir haben uns eine Rikscha ausgeliehen und mit nach Kirchheim genommen.“ Die Probefahrten mit den Bewohnern des Seniorenzentrums Sankt Hedwig kamen gut an und so fiel der Startschuss. „Im Süden Deutschlands gibt es noch keine einzige Rikscha“, erzählt Dieter Hutt von der Initiative Fahr Rad, „Kirchheim wäre hier also ein Vorreiter.“

Eine Fahrt über den Alleenring, ein kurzer Halt bei einem Café oder einer Eisdiele oder ein kleiner Ausflug zum persönlichen Lieblingsplatz in Kirchheim: Der Fantasie und den Wünschen ist kein Limit gesetzt. „Natürlich sind die Rikschas nicht dafür gedacht, sich kurz zum Supermarkt fahren zu lassen,“ erklärt Dieter Hutt. „Die Fahrten sind fürs Vergnügen und für nichts anderes.“

Anne-Katrin Stuth hat bei ihrer Arbeit im Seniorenzentrum gemerkt, dass ältere Menschen nicht mehr so herumkommen. Das, was sie in der Zeitung lesen, wird dann meistens nur durch die Vorstellungskraft lebendig. „Gerade ist so eine große Baustelle an der Raunerschule,“ stellt die Besuchsdienstleiterin fest. „Viele lesen nur darüber, würden die Baustelle aber gerne selber sehen. Das machen die Rikscha-Fahrten möglich.“

Obwohl die Rikscha über einen E-Motor verfügt, fährt sie natürlich nicht ganz von alleine. Freiwillige Fahrer gibt es aber schon jetzt. Doch auch Privatpersonen können ihre Liebsten mit einer Rikscha-Fahrt überraschen. „Es ist auch möglich, dass zum Beispiel ein Sohn seine Mutter, die schon lange nicht mehr in Kirchheim herumkam, mit der Rikscha umherfährt“, erklärt die Initiatorin. „Doch das geht nicht einfach so.“ Denn: Rikschafahren ist nicht gleich Fahrradfahren. Eine kleine Einweisung und das nötige Know-how sind hier auf jeden Fall nötig.

Auf der Rikscha finden zwei Personen vorne Platz und eine Person auf dem Fahrrad. – Eine perfekte Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen, sich auszutauschen und über die aktuellen Themen in Kirchheim zu unterhalten. Das bedeutet Abwechslung in jeder Hinsicht.

Die Fahrten mit der Rikscha sollen kostenlos sein. „Natürlich sind die Anschaffung der Rikscha und die Wartungsarbeiten mit Ausgaben verbunden,“ sagt Anne-Katrin Stuth. „Wir hoffen auf die Hilfe der Kirchheimer.“ Firmen um Spenden zu bitten, sei nicht so einfach, wie man es sich vorstelle. Deswegen sind die beiden auf die Plattform „BW Crowd“ gestoßen. „Über die Homepage der Sanwald-Stiftung gelangen Interessierte zur Plattform und können einen beliebigen Betrag für die Anschaffung der Kirchheimer Rikscha spenden“, erklärt Dieter Hutt. 6 000 Euro müssen zusammenkommen, damit bald lachende Menschen den Wind in den Haaren spüren können.

Auch im Alter noch den Wind 
in den Haaren spüren
Auch im Alter noch den Wind 
in den Haaren spüren
Rikscha soll angeboten werden für Pflegepatienten. Dahinter stecken jede Menge Einrichtungen mit Ehrenamtlichen.  Frau Stuth und
Rikscha soll angeboten werden für Pflegepatienten. Dahinter stecken jede Menge Einrichtungen mit Ehrenamtlichen. Frau Stuth und Herr Hutt.
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