Kirchheim

Auch kleine Schritte verbessern die Welt

Podiumsgespräch Die Stiftung Martinskirche verbindet Werte und Ethik mit erfolgreichem Wirtschaften. In der Auferstehungskirche ging es um „Wirtschaftsethik in familiengeführten Unternehmen“. Von Andreas Volz

Moderiert von Markus Geiger und Bettina Hollstein, sprechen Eberhard Russ (Mitte links) und Gunther Sill (Mitte rechts) über „Wi
Moderiert von Markus Geiger und Bettina Hollstein, sprechen Eberhard Russ (Mitte links) und Gunther Sill (Mitte rechts) über „Wirtschaftsethik in familiengeführten mittelständischen Unternehmen“. Foto: Carsten Riedl

Die Werte des Mittelstands hielten zwei Kirchheimer Unternehmer hoch, die in der Auferstehungskirche sehr persönlich berichteten, welche Werte sie vermittelt bekommen haben, und die das „Corporate Volunteering“ mit etlichen Beispielen konkretisierten: Eberhard Russ (Autohaus Russ) und Gunther Sill (Möbel König).

Eberhard Russ war in frühester Jugend mit einer Wertediskrepanz konfrontiert - zwischen den christlichen Werten, die er zuhause und in kirchlichen Einrichtungen vorgelebt bekam, und den Werten, die der nationalsozialistische Staat vermittelte. Geprägt hat ihn letztlich das Vorbild der Eltern, die nach dem Krieg ihren Betrieb wieder aufbauten: „Ich habe beobachtet, wie man sich verhält, wie man ein Geschäft führt - und wie man Menschen führt.“ Er und sein Bruder hätten den Betrieb „als Leihgabe“ übernommen, um ihn zu erhalten und zu entwickeln: „Genau so haben wir ihn auch an unsere Söhne weitergegeben.“

Meistens seien im Mittelstand geschäftsführende Gesellschafter tätig, die ihr eigenes Geld verwalten. „Deshalb haben sie auch eine ganz andere Beziehung zu diesem Geld. Sie haben auch eine andere Beziehung zu ihren Mitarbeitern.“

Gunther Sill bestätigt das. Als seine Eltern in der Möbelbranche begonnen hatten, gab es freitags immer Kaffee und Kuchen - mit der gesamten Belegschaft. Für den Sohn ist dieses Beispiel der Eltern „eine wichtige Moralquelle“.

Zur Win-win-Situation von Engagement nennt Gunther Sill ein Beispiel aus seinem Unternehmen: „Wir wollten schonender mit der Ressource Energie umgehen. Die Teilnahme an Ökoprofit hat uns dabei geholfen. Jeden Tag hatten wir zur gleichen Zeit den Strom im ganzen Betrieb hochgefahren - auch in Abteilungen, in denen noch gar nicht gearbeitet wurde.“ Die Umstellung brachte allgemeinen ökologischen Profit, aber auch konkreten ökonomischen Gewinn: „Wir sparen dadurch viel Strom, zwischen zehn und 15 Prozent.“

In kleinen Schritten tragen mittelständische Unternehmen dazu bei, die Welt ein klein wenig zu verbessern. Eberhard Russ berichtet vom Engagement seines Unternehmens in Indien, mit dem sein Bruder bereits 1963 begonnen hat: „Wir haben eine Lehrwerkstatt für Straßenkinder finanziert. Daraus ist längst eine große, selbsttragende Stiftung geworden.“

Gunther Sill erwähnt Aktionen für Auszubildende, die gemeinsam mit behinderten Menschen gegrillt und Fußball gespielt haben: „Das dient außer der Teambildung auch der Horizonterweiterung jedes einzelnen.“ Generell sollen die jährlichen Aktionen jeweils im Kleinen helfen: „Einer Kindertagesstätte hat die Küche gefehlt, das ließ sich ändern.“

Gewinn für drei Seiten

Eberhard Russ hat bereits ähnliche Projekte initiiert: „Wenn junge Leute in sozialen Einrichtungen Erfahrungen sammeln, ist ihr Gewinn unglaublich groß.“ Tatsächlich profitieren drei Seiten davon, wenn Jugendliche sich der Aufgabe stellen müssen, mit einem demenzkranken Menschen ein Gespräch zu führen: Außer dem alten Menschen, der die Gesellschaft repräsentiert, gewinnen der Auszubildende und auch sein Betrieb.

Gewonnen hat vom „Werteabend“ in der Auferstehungskirche außerdem dessen Organisator, Matthias Bankwitz - nämlich neue Einsichten und neue Ideen: „Ich habe mitgenommen, dass es auch bei uns Bäche gibt, die man mitsamt ihren Böschungen vom Müll befreien kann.“ Schließlich hat auch die Stiftung Martinskirche gewonnen, in deren Stiftungsstock der Erlös des Abends fließt.

Anzeige