Kirchheim

Auf dem Seziertisch

Was hat man uns Schwaben in der Vergangenheit nicht alles angetan? In Isolationshaft gesteckt im engen Sprachraum, verunglimpft und verhöhnt. Als Volk von Pfennigfuchsern, Häuslesbauern und Kandelfegern. Mit Kleinmut im Herzen und Mercedes in der Garage. Verdruckste Spießer, folkloristisch umnebelt, von niemandem verstanden, in Berlin sogar gehasst. Allgemein verdächtig zumal.

Was haben wir gelitten unter solchen Stereotypen. Gehofft, die Welt möge eines Tages unser wahres Wesen erkennen. Bis jetzt. 2016 soll zum Jahr der Befreiung werden. Die schwäbische Seele ist aus dem dunklen Mostkeller direkt auf den Seziertisch von Kulturhistorikern und Etymologen gewandert. Der Schwabe und seine Marotten liegen so was von im Trend. Das Freilichtmuseum in Beuren hat den Anfang gemacht. Zwischen Springerles Model und Kehrwoche, Maultaschen und Lompa-Seckel der lang ersehnten Frage nachgegangen, was für sie oder ihn im Ländle eigentlich typisch sei. Jetzt zieht das Stuttgarter Landesmuseum mit einer halbjährigen Sonderausstellung im größeren Stil nach, sucht das Wesentliche des Schwaben „zwischen Mythos und Marke.“

Was Daimler, Bosch und Porsche zusammen nicht entwickelt haben, soll nun durch weit geöffnete Museumsportale strömen: neues Selbstbewusstsein und praller Stolz. Nicht „Mia san mia“ aber „Mir send au ebbr.“ Dabei hätte es die Wissenschaft längst merken können: Mit dem Schritt ins Rampenlicht hält es der Schwabe wie mit dem Griff zum Portemonnaie: Mir langt‘s, dass i woiß, dass i könnt, wenn i wet.

Randnotiz Bernd Köble zur Neuentdeckung des Schwäbischen

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