Kirchheim

Auf der Jagd nach neuen Impulsen

Aktion Mit der Stadtradtour will die Initiative „FahrRad“ die Gemeinderäte in Kirchheim ermuntern, Verbesserungen beim Fahrradklima zu forcieren und gleichzeitig strenger zu kontrollieren. Von Thomas Krytzner

Engagierte Radler nahmen die Situation am Bahnhof kritisch unter die LupeFoto: Thomas Krytzner
Engagierte Radler nahmen die Situation am Bahnhof kritisch unter die LupeFoto: Thomas Krytzner

Es war nicht gerade das angenehmste Wetter, um sich am Samstag auf den Drahtesel zu schwingen und während dreier Stunden verschiedene Stationen in Kirchheim anzusteuern. Fast passend zum Wetter ging es um das Fahrradklima im Stadtgebiet. Der jüngste Test des Allgemeinden Deutschen Fahrradclubs (ADFC) zeigte es deutlich: Kirchheim braucht dringend neue Impulse. Und genau nach diesen Impulsen suchten die zwölf Radfahrer auf ihrer Stadtradtour.

Warm eingepackt und mit Helm versehen ging es für die Unentwegten am Nachmittag bei der Stadtbücherei los. Die kandidierenden Parteien für den Gemeinderat gaben die Problembereiche in der Stadt vor, und diese Stationen wurden nach und nach vom bunten Fahrradtross angefahren.

Dieter Hutt, Vorsitzender der Initiative „FahrRad“ führte die kritische Gruppe an. Er fordert von der Stadtverwaltung: „Die Maßnahmen für die Radkultur müssen für die Radler besser sichtbar sein.“ Man stehe zwar mit der Stadtverwaltung in regem Kontakt, „dass aber die Rezertifizierung als Fahrradstadt ein sehr knappes Rennen war, zeigt, dass es noch an vielen Punkten hapert.“

So stand auch der Postplatz im Blickpunkt der Diskussionen unter den Teilnehmern. Hutt bemängelt: „Das Thema wird seit Jahren geschoben. Die Gespräche richten sich zu sehr auf Details, dabei braucht es komplett neue Konzepte, damit sich Radfahrer sicherer fühlen.“ Er wünscht sich, dass die Stadtverwaltung darlegt, wohin die Reise gehen soll.

Künstliche Engpässe vermeiden

Für viel Ärger sorgt derzeit die Fußgängerzone. So beklagte sich eine Teilnehmerin bei der Radtour über die beengten Verhältnisse. Da die Fußgänger bei den vielen Außenplätzen der Restaurationsbetriebe halb auf die Straße ausweichen müssen, komme es immer häufiger zu gefährlichen Situationen zwischen Fußgänger und Radfahrer. Ein weiterer Dorn im Auge: die Haltestelle bei der Spardabank. Wenn da nämlich die Gäste des Omnibusses aussteigen und nicht auf die Zweiradfahrer achten, kann es brenzlig werden. Nur wenig Gegenliebe bringen die Radfahrer für die Erreichbarkeit des Bahnhofes auf. Wer mit seinem Drahtesel zum Beispiel die S-Bahn nutzen und das Fahrrad am Bahnhof abstellen will, ist gezwungen, den Zebrastreifen zu queren. Dieter Hutt machte auf der Stadtradtour deutlich: „Die Gemeinderäte sollen bei der Verbesserung des Fahrradklimas in der Stadt nicht nur mitwirken, sondern die Umsetzung der besprochenen Optimierung hartnäckiger kontrollieren.“ Der Verkehrsradbericht zeige ja, welche Punkte bereits realisiert wurden und welche noch offen seien. Bei der jüngsten Rezertifizierung sei zwar lobend erwähnt worden, dass es in Kirchheim nun eine Busspur gibt, die auch von Radfahrern benutzt werden kann, aber das seien lediglich 100 Meter, so der Initiator der Radtour.

Hutt fordert, dass beim Gaiserplatz endlich eine Lösung geschafft werden muss. „Utopien gibt es genug, aber nur vom Träumen schafft man keine Probleme aus der Welt.“ Wenn Kirchheim eine fahrradfreundliche Kommune sein wolle, müsse mehr getan werden. Die Radtour führt auch noch zum Fickerstift, mit einem Abstecher auf die Dettinger Straße und zur Teck-Realschule. Dabei sammelten die Radfahrer viele Ideen. Die Rückmeldungen an die Parteien erfolgen in den nächsten Tagen. Dieter Hutt ist mit den Diskussionen und Anregungen aus der Bürgerschaft zufrieden. Er hofft, dass die Fraktionen die Themen der Radfahrer ernst nehmen - damit Kirchheim noch ein gutes Stück fahrradfreundlicher wird.

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