Kirchheim

Auf der Kaffeekutsche durchstarten

Geschäftsidee Johannes Faller hat mit einem mobilen Kaffeestand in Kirchheim ein Start-up gegründet. Die Begeisterung ist groß, auch wenn er noch nicht weiß, wie er sein Unternehmen profitabel machen kann. Von Thomas Zapp

Einsatz in der Kirchheimer Fußgängerzone: Mit seiner Kaffeekutsche ist Johannes Faller auf jeden Fall ein Hingucker. Fotos: Cars
Einsatz in der Kirchheimer Fußgängerzone: Mit seiner Kaffeekutsche ist Johannes Faller auf jeden Fall ein Hingucker. Fotos: Carsten Riedl

Dieser perfekte Moment auf der Hochzeit, als das Kaffeefahrrad dort im Freien stand und die Gäste nach der Trauung erstmal einen Kaffee trinken konnten, er hat den Kirchheimer Johannes Faller begeistert. Das verwundert nicht, wenn man den 31-Jährigen besser kennengelernt hat. Denn der studierte Psychologe hat zwei Leidenschaften: Fahrradfahren und Kaffeetrinken. Besonders der Kaffee in Italien hat es ihm angetan, deshalb verbringt er dort auch häufiger seinen Urlaub.

Es war also auf einer Italienreise - mit dem Fahrrad versteht sich - als die Geschäftsidee Gestalt annahm. Sie sah so aus: mit einem mobilen Fahrrad-Café auf Festen und Feiern den Menschen Kaffeekultur und gute Gespräche anzubieten. Abgesehen von gutem Kaffee will Johannes Faller den Menschen anbieten, eine Pause zu machen, sich etwas zu gönnen und sich unterhalten zu können. „Das ist durchaus eine Parallele zu meiner Arbeit als Psychologe bei der evangelischen Kirche“, sagt Johannes Faller. Dort bietet er alternativ zur Beichte auch Nicht-Kirchenmitgliedern eine psychologische Beratung an. Die Arbeit macht ihm Spaß, aber die Idee eines Kaffeemobils lässt ihn nicht mehr los.

Bei der „Fahrradkutsche“, einem Hersteller von Lastenfahrrädern aus Mössingen südlich von Tübingen, ist er fündig geworden auf der Suche nach einer rollende Basis für sein Geschäft. Der 2,62 Meter lange „Musketier“, dessen Rahmen bis zu 300 Kilogramm tragen kann, war schon mal der Unterbau, fehlte noch die Kaffeebar.

Die Hilfe kam aus dem Freundes- und Familienkreis. „Mein Schwiegervater kümmerte sich um die Statik, die ein befreundeter Schlosser als Gerüst in Leichtbauweise umsetzte. Ein anderer Freund realisierte meine Ideen in Holz und Aluminium.“ Ein halbes Jahr verging zwischen Planung und Umsetzung. Heraus kam die „Kaffeekutsche“ mit Edelstahl-Arbeitsfläche, einer italienischen Siebträger-Espresso-­Maschine Mar­ke „Rocket“, zugehöriger Mühle und einer Kühlbox für die Milch. Firmensitz ist übrigens in Kirchheim. „Dort war man sehr entgegenkommend“, freut er sich.

Trotz dem hohen Anteil an Eigenleistung hat das Start-up bislang 10 000 Euro gekostet. Fallers Eltern waren skeptisch, schließlich hatte ihr Sohn schon einen Beruf. Dabei tragen sie sogar „Mitschuld“ an den Umtrieben ihres Sohnes. „Mein Vater kocht gerne, mein Mutter backt sehr gut. Die Begeisterung für gutes Essen habe ich auf jeden Fall von zu Hause mitbekommen“, sagt er. Aber seine Motivation geht weiter: „Ich habe Lust auf einen Crash-Kurs in BWL“, sagt er. Auch einen Kurs zum „Barista“, also für die perfekte Kaffeezubereitung, hat er absolviert. Nur eins muss ihm die Praxis zeigen: wie er die „Kaffeekutsche“ zu einem profitablen Unternehmen macht. Denn das weiß Johannes Faller noch nicht hundertprozentig. „Ich sehe das als Experiment und schaue, wie weit ich kommen kann“, sagt er. Aber genau das reize ihn: Er hat in der Hand, wie weit er kommen kann.

Der 31-Jährige war bislang auf drei Veranstaltungen in und um Kirchheim unterwegs und hat in Weilheim eine Geschäftseröffnung „bekocht“. Dort hat er seinen bisherigen Rekord geschafft: 70 Tassen. Bei ihm gibt es aber nicht nur frische Luft und gute Gespräche über Kaffee oder Fahrräder, sondern auch besonderen Kaffee. „Ich beziehe meinen Kaffee aus einem Einmannbetrieb im italienischen Triest, der sehr hohe Qualität liefert zu einem günstigen Preis“, sagt er. Alternativ kauft er auch in einer Stuttgarter Rösterei ein.

Noch arbeitet er aber weiterhin bei der Kirche in seinem Beruf als Psychologe und grübelt nebenbei über die Wirtschaftlichkeit seines Projekts. Der Durchbruch könnte durch Veranstaltungen kommen. „Hochzeiten wären ein Traum“, sagt er. Eine Hochzeit war schließlich der Auslöser für seine Geschäftsidee und vielleicht steht sein Start-up schon bald auf seiner eigenen. Dann weiß er zumindest schon, dass ihm der Kaffee zur Hochzeitstorte schmeckt.

Herr Faller,  Kaffeekutsche vor dem Rathaus
Herr Faller, Kaffeekutsche vor dem Rathaus
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