Kirchheim

Auf der Suche nach dem Glück

Konzert Das Allgäuer Duo „Vivid Curls“ spielt in der Bastion und liegt musikalisch zwischen Simon & Garfunkel und Alanis Morissette.

Die „Vivid Curls“ und ihr erster Auftritt in der Bastion, Inka Kuchler (links) und Irene Schindele (rechts). Foto: Günter Kahler
Die „Vivid Curls“ und ihr erster Auftritt in der Bastion, Inka Kuchler (links) und Irene Schindele (rechts). Foto: Günter Kahlert

Kirchheim. Also spontan sind die „Vivid Curls“. Am Nachmittag vor dem Bastions-Auftritt haben ihr Bassist Helmuth Baumann und der Gitarrist „Flo“ Hirle am Kirchheimer Marktplatz als „Oakhill Road“-Duo Straßenmusik gemacht, Country-Folk, um es genauer zu sagen. Irene Schindele und Inka Kuchler alias „Vivid Curls“ waren dabei, wollten sich aber nur „gemütlich in die Sonne hocken“, wie Irene die Situation lächelnd schildert. Dann hatten sie aber plötzlich Lust, selbst zu spielen, und taten es einfach. Zurück zu den Wurzeln sozusagen, Inka Kuchler: „Wir haben zu Beginn unserer Karriere viel Straßenmusik gemacht, wir waren in Österreich, in der Schweiz, in Italien, in Spanien. Es macht einfach unheimlich Spaß, bei den Menschen zu sein.“

Das merkt man auch am Abend in der Bastion. Sie genießen es geradezu, dass die Musikbegeisterten in Reichweite vor ihnen an der Bühne sind. Bastion eben. Ein Auftritt, auf den sich die „Vivid Curls“ schon lange gefreut haben. „Der Club steht schon lange auf unserer Wunschliste, jetzt hat es endlich geklappt“, sagt Irene. Möglich gemacht hat das Günther Wölfle. Der Kirchheimer Mundart-Liedermacher ist seit gut zehn Jahren Fan des Allgäuer Duos. Dass er an dem Abend ein T-Shirt der jüngsten CD „Eine Welt“ trägt, ist Ehrensache. Man muss nicht alle Preise aufzählen, aber die beiden selbst erzählen zumindest stolz und amüsiert über die jüngste Auszeichnung „Preis für junge Liedermacher“: „das ,jung‘ war schon seltsam, wir machen ja auch erst seit 15 Jahren unsere Musik“, erzählt Inka auf der Bühne. Zumindest hat es einen Auftritt vor 10 000 Zuschauern bei Bamberg gebracht - mit Größen wie Konstantin Wecker oder Robert Poisl.

Zurück zum Auftritt in Kirchheim. Musikalisch sind die „Vivid Curls“ schwer einzuordnen. Da ist Rock, da ist Pop und da ist einfach nur die Liedermacher-Atmosphäre. Klar, dass man Schubladen sucht, aber zwischen Simon & Garfunkel und Alanis Morissette ist alles dabei. Inka ist stimmlich der Sopran, Irene die „Rockröhre“. Das alles perfekt und ihre Band liefert das zurückhaltende, aber professionelle Gerüst dazu.

Die Texte der beiden - man könnte es auch Botschaften nennen - haben es aber in sich. Kritisch, lebensbejahend, nachdenklich. Es ist letztlich die Suche nach Liebe, Glück, Geborgenheit und nach einer besseren Welt. Mal im Allgäuer Dialekt, mal hochdeutsch, mal englisch. Und das nicht als verbissene Weltverbesserer, sondern charmant, oft witzig, aber immer ernsthaft. Zwei Beispiele: „Lauf, lauf, lauf, oiner isch immer schneller als du“ oder „Eine teure Uhr geht auch nicht anders“. Damit treffen sie den Nerv vieler Menschen, die des ständigen „immer mehr“ leid sind.

Künftig noch politischer

Möglicherweise werden die „Vivid Curls“ in ihren künftigen Texten noch politischer. Inka Kuchler dazu: „Es hat sich in letzter Zeit so viel verändert, dass es wichtig wird, ganz klar Stellung zu beziehen, Haltung zu zeigen.“ Deshalb starten sie auch nächste Woche auf Facebook die Aktion „Eine Welt“, in der Künstlerkollegen sich per Video oder Text einbringen. „Wir wollen zeigen, dass dieser vermeintliche Ruck nach rechts nicht wirklich die Realität darstellt. Wir anderen sind viel mehr“, ergänzt Irene Schindele. Eine Frage muss trotz aller Ernsthaftigkeit am Ende noch sein: Was bedeutet das Bühnen-Outfit in zwei knallbunten Häkelkleidchen im 70er-Patchwork-Stil? Beide grinsen, „wir sind halt irgendwie Hippies“, sagen sie. Lassen wir mal so stehen. Günter Kahlert

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