Kirchheim

Auf Joos geht’s los

Konzert Jeder Ton wird sorgfältig geformt und gefärbt: Das Herbert Joos Trio gibt im Club Bastion sein Bestes. Die Stücke entführen das Publikum nach Südafrika, in den Orient oder nach Südamerika. Von Bernhard Fischer

Ein Höhepunkt jagt im Kirchheimer Club Bastion den nächsten.Foto: Bernhard Fischer
Ein Höhepunkt jagt im Kirchheimer Club Bastion den nächsten.Foto: Bernhard Fischer

Die drei eindrucksvollen Musikerpersönlichkeiten des Herbert Joos Trios haben im Kirchheimer Club Bastion Musik von großer Schönheit und Eindringlichkeit gespielt: Herbert Joos an der gedämpften Trompete und am Flügelhorn, Patrick Bebelaar am Piano und Frank Kroll an Sopransaxofon und Bassklarinette. Die intime Umgebung des Clubs und die Nähe zum aufmerksamen Publikum trugen sicher zum Gelingen des Abends bei.

Leise, sparsame Basslinien des Pianos eröffnen das Konzert, Bassklarinette und Trompete flechten gehauchte Melodien ein, unmerklich entfalten sich romantische, tänzerische Rhythmen am Piano, Wechselspiele des Pianos mal mit Bassklarinette, mal mit der Trompete. Bereits der erste Titel entfaltet das musikalische Spektrum des Abends: äußerst subtile Klangsprache aller Instrumente, wunderbare Verflechtung der musikalischen Linien, extreme, organisch entfaltete Dynamik des musikalischen Geschehens und wahre harmonischen Freiheit.

Herbert Joos wurde in den 80er-Jahren als einer der wichtigsten Schöpfer eigenständiger europäischer Spielweisen des Jazz bezeichnet. Dass Joos dabei die Großen des amerikanischen Jazz verehrt, beweisen unter anderem die Musikerporträts, die er in seiner zweiten künstlerischen Ausdrucksform geschaffen hat: großartige Zeichnungen und Gemälde.

Im Club Bastion ehrt das Trio den Pianisten und Komponisten Thelonius Monk mit der zweiteiligen Komposition „Ballad for Monk“ und „Song for Thelonius“. „Spielen wir alles durch, mit Wahnsinn?“ fragt Joos seine Mitmusiker. Sie tun es, wobei mit „Wahnsinn“ wohl die virtuos-relaxte Scat-Gesangseinlage des Komponisten gemeint ist. Ebenso könnte aber auch die bravouröse Pianoarbeit von Bebelaar gemeint sein, dessen rasantes Spiel dabei von Bebop ausgehend in die Offenheit des Free Jazz mündet.

Dem „Peacock“, dem Pfau, widmet Frank Kroll ein Stück, das mit sparsamer Pianobegleitung den klaren, offenen Klang des Sopransaxofons in den Vordergrund stellt. Die orientalisch angehauchte Melodie wird zum Tanz, schließlich nur noch begleitet von Händeklatschen der Mitmusiker.

Nicht zu viel versprochen

„Ein Höhepunkt jagt den anderen“, kündigt Joos ironisch nach der Pause an, dabei übertreibt er beileibe nicht. Die musikalische Reise führt in den Orient, nach Südafrika, mit Tangoanklängen auch nach Südamerika, ohne dass die musikalische Geschlossenheit leiden würde. Auch im Bossa-Nova-Stück „How insensitive“ zeigt das Trio - anders als der Titel nahelegt - feinste tonale Abstimmung.

Die sanfte Ironie des Trios zeigt sich erneut im Stück „The truth and other lies“, das als zartes Flügelhornsolo beginnt. Jeder Ton wird sorgfältig geformt und gefärbt. Bebelaar nimmt die Melodie vorsichtig auf, entwickelt hymnische Klänge wie Keith Jarret zu besten Zeiten, die sich wieder in eher abstrakten Läufen verlieren und in romantischen Formen enden. Mit einem skurrilen „Blues rückwärts“ geht ein außergewöhnlicher Konzertabend zu Ende.

Info In den Räumen des Club Bastion hängen bis zum Sommer Schwarz-Weiß-Fotos von Hagen Kälberer. Der Titel der Ausstellung lautet „Trumpet Heroes“, also große Trompeter, zu denen auch Herbert Joos gehört. Die Fotos erinnern an den 30. Todestag des Jazz-Trompeters Chet Baker.

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