Kirchheim

Auf Kreuzzug in der Kirche und im Alltag

Der Kabarettist Fabian D. Schwarz nimmt nicht nur Katholiken aufs Korn – Vergnüglicher Auftakt fürs Gemeindefest am Sonntag

Katholische Kirche und Kabarett – passt das zusammen? Es passt. Das bewies Kabarettist Fabian D. Schwarz bei seinem Auftritt im Bohnauhaus.

Fabian D. Schwarz besticht mit komödiantischem Talent.Foto: Andrea Barner
Fabian D. Schwarz besticht mit komödiantischem Talent.Foto: Andrea Barner

Andrea Barner

Kirchheim. Mit Spaß startete die Katholische Kirchengemeinde Maria Königin am Samstag in ihr traditionelles Bohnauhausfest in der Kirchheimer Tannenbergstraße. Der Ludwigsburger Kabarettist Fabian D. Schwarz philosophierte über „Neues vom Leben an sich“. Im Thema verbarg sich so mancher Seitenhieb auf Eigenheiten der katholischen Kirchenorganisation. Sogar die „Witzle“ über Ex-Papst Benedikt XVI. („B16“) oder seinen Nachfolger Franziskus kamen bestens an.

„Katholiken sind gar nicht so ernst, wie man vielleicht glaubt, die gehen nicht zum Lachen in den Keller“, sagt der Theologe Schwarz, der eigentlich gar nicht vorhatte, katholisches Kabarett zu machen: „Das hat sich so ergeben.“ Der 31-Jährige geht den Abend allerdings sehr offensiv an: „Ich bin Katholik. Wer noch?“ Auch wenn er in seinem Programm viele Schwachpunkte der Gesellschaft streift, wird klar: die katholische Kirche ist sein Paradethema.

Schwerpunkt, wie könnte es anders sein, ist die Rolle der Frau. „War Jesus jetzt verheiratet oder nicht?“, fragt er in die Runde und spielt eine Szene, wie sie sich am Ende eines langen anstrengenden Tages zwischen Jesus und seiner Frau abgespielt haben könnte. „Wie, du hast zwei Brote und fünf Fische mitgenommen und an tausende Menschen verteilt? Hauch mich mal an!“ Wohl wissend, dass der Wein vorher noch Wasser war. „Sag mir bloß nicht, dass du mich liebst. Das sagst du ja zu jedem.“ Das, so erzählt Fabian D. Schwarz hinterher, ist eigentlich meine Lieblingsszene.“ Da spinnt der gebürtige Esslinger meisterhaft herum, fabuliert und treibt jeden Dialog auf die Spitze.

Frauen, so erzählt er dem Publikum, waren die Wegbereiter des Christentums. Sie entdeckten, dass der Grabfelsen von Jesus beiseitegeschoben wurde und der Leichnam des Gekreuzigten fehlte. Ohne das „Geschnatter“ der Frauen hätte sich die Nachricht von der Auferstehung nicht wie ein Lauffeuer verbreitet. Wenn Männer das offene Grab bemerkt hätten, wäre nicht groß davon geredet worden. Was wäre dann aus dem Christentum geworden?

In seiner blühenden Fantasie stellt sich Schwarz vor, wie es wäre, von oben die eigene Beerdigung zu beobachten. Und im Himmelsalltag womöglich festzustellen, dass es dort oben auch nicht viel anders zugeht als auf Erden: Statt himmlischer Genüsse vom Feinsten kümmert sich längst eine Fast Food-Kette ums Abfüttern der Engel. Petrus: „Das mussten wir natürlich outsourcen“. Überall wollen Anträge ausgefüllt werden und der Gipfel: Frühmorgens schon reservieren sich die Engel ihre Wolke mit einem Handtuch. Und Schwarz nimmt die fromme Helene auf die Schippe, die Petrus am Himmelstor über ihr „tadelloses“ Leben erzählt.

Fabian D. Schwarz geht auch im Alltag auf Kreuzzug. Er sagt, was er denkt über den VW-Skandal mit Unschuldslämmchen Winterkorn. Oder er redet vom „Kaiser“ – Franz Beckenbauer ist in seinen Augen eine „arme Sau“, der einfach allen nur vertraut hat. Was man dem womöglich noch alles in die Schuhe schieben kann? Flüchtlinge, Mauerfall, Einmarsch in Polen? Mitleid hat er auch mit Börsen-Brokern – „ein christlicher Missionar im Iran hat’s leichter“ – oder mit Bankern. Und mit Eltern. Als Vater eines Zweijährigen zieht er ironisch her über die Früherziehung. Für manche Supereltern ist sie schon wichtiger als der Spielplatz. Beispiel gefällig? Um dem Kind zu vermitteln, was ein Individuum ist, gibt es schon einen Kurs „Die eigenen zehn Minuten“, unter Aufsicht natürlich. Außerdem werden Kurse angeboten wie Burn-Out-Prophylaxe oder BWL für Vorschulkinder. Und: Sprachenlernen, das ist heute „alles andere als Kindergeburtstag“.

Der Wortwitz von Fabian D. Schwarz, sein komödiantisches Talent und seine schauspielerischen Fähigkeiten sorgten für einen vergnüglichen Abend. Ein gelungener Auftakt fürs Gemeindefest am Sonntag

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